Verband der Hermann-Löns-Kreise in Deutschland und Österreich e.V.  (Löns-Verband)

 

 

 

 

Hermann-Löns-Blätter,  Heft 4 / 2007

(auszugsweise, ohne Bilder)

 

Titelbild: Winterliche Impressionen auf einem Aquarell der Walsroder Künstlerin Erika Klusmann 

 

Inhaltsverzeichnis

  Hermann Löns: Die Stille Nacht

  Karl-Heinz Beckmann †

 Hermann Löns: Winterliche Haidefahrt

  Deutsche Bestseller im 20. Jahrhundert

  Postkarte von Hermann Löns

  Hermann Löns und sein umweltpädagogisches Wirken zum Schutz der heimischen Herpetofauna

  Wege eines Löns-Manuskripts

  Löns-Literatur von Dr. Rudolf Berndt

  Buchvorstellung: Hermann Löns: Brockengeheimnisse

  Buchvorstellung: Edmund Löns: Heidewachtel

  CD-Vorstellung Hörbücher Teil 1: H. Löns: Geschichten und Naturschilderungen aus der Lüneburger Heide

                                                       Teil 2: H. Löns: Geschichten und Landschaftsschilderungen aus Niedersachsen

  Hermann-Löns-Kreis Lüneburger Heide: Doose als Vorsitzender bestätigt

  Verein „Heimat, die Heide blüht“, Uelzen: Volkstümlicher Nachmittag

 

Hermann Löns

Die Stille Nacht

Rein und schön ging heute die Sonne auf. Eine Stunde lang schien sie froh und heiter auf das Land. Dann kam die graue Wetterwand, die gestern den ganzen Tag am Himmel gelauert hatte, wieder,

löschte das Sonnenlicht aus und schüttelte ihre Schneebürde ab, erst schüchtern und zage, dann immer

kecker und ungestümer.

Bis in den späten Nachmittag stoben die Flocken herunter, fielen in ganzen Wolken hernieder, fuhren in wilden Wirbeln durch die Dorfgassen, stürzten sich auf die Strohdächer, hingen sich in die Hecken, blieben an den Backhäusern kleben, begruben alle Wege und Stege und füllten jeglichen Graben aus.

Mir kommt das Wetter just zu passe; die letzten Tage gefiel es mir wenig. Erst gab es Regen und Schlappschnee, der nicht liegenblieb, dann Nordostwind mit Plattfrost, bei dem sich alles Gewild in den Dickungen hielt.

Zudem war es nicht sauber in der Gegend. Im Königlichen war ein altes Rottier zuschanden geschossen, in unserer Jagd fand ich den Aufbruch eines Bockes, in der Nachbarjagd waren drei Rehe abgängig. Und es gab keine Möglichkeit, die Wilderer zu spüren.

Wer die Freischützen waren, wußte kein Mensch. Von den ansässigen Leuten wilderte niemand; das war uns sicher bekannt. Die Wilderer mußten unter den fremden Arbeitern sein, die bei den Bohrtürmen zu tun hatten. Einer von ihnen hatte sich in verdächtiger Weise im Königlichen herumgetrieben. Der Förster stellte den Mann, fand aber keine Waffe bei ihm.

Ich will heute den Jagdhüter vertreten. Acht Nächte ist er in kein Bett gekommen. Und heute, am Heiligen Abend, möchte er bei Weib und Kind bleiben. Er tat so, als wollte er ablehnen; aber als ich ihm sagte: „Mensch, Thies, Neuschnee und Mond, etwas Schöneres gibt es nicht für mich! Und was soll ich an diesem Abend im Kruge? Da sitze ich den Leuten doch bloß im Wege“, da bedankte er’ sich sehr, und seine hübsche Frau bekam ganz blanke Augen vor Freude.

Und dann bin ich allein mit mir in der weißen, weiten, weglosen Heide. Es ist so schneehell, daß ich weit sehen kann, zumal alle Sterne da sind. Ich habe mir das weiße Zeug übergezogen, das Gesicht dick eingepudert, und da Kappe und Handschuhe auch weiß sind und Rucksackträger und Gewehrriemen ebensolche Überzüge tragen, so bin ich gänzlich unsichtbar und auch fast unhörbar, da ich Schneereifen unter die Schuhe gebunden habe. Zwanzig Gänge von mir geht der Briefträger vorüber, ohne mich wahrzunehmen. Als sein Hund, der meine Witterung bekommen hat, mich aber

nicht äugen kann, sich ängstlich an ihn drängt, bleibt der Mann stehen, sieht sich um, schüttelt den Kopf und geht etwas schneller weiter.

Ich gehe in seiner Spur entlang, bis ich auf der Höhe bin. Da bleibe ich stehen und sehe mich um. Wunderlich sehen die halbverschneiten großen Machandeln und die Krüppelfuhren aus, und von dem hohen Brahm ist nichts zu erkennen als einige wenige Ruten, die wie schwarze Spieße aus dem Schnee starren. Das Heidekraut, das hier kniehoch steht, ist völlig verdeckt; ganz wenige besonders lange Büsche stehen wie schwarze Gespensterchen in der weißen, silbern blitzenden Fläche, von der sich hier und da, vom Schnee gebogen, die fahlgelben Benthalme abheben.

Schneller gehe ich voran. Keine Fährte und nicht eine einzige Spur ist zu erblicken, kein Stück Wild ist zu sehen. Selbst hier, wo der Hauptwechsel von der Wohld nach der Feldmark hinführt, steht keine Fährte im Schnee. Aber ein Mensch scheint dort unter der krausen Fuhre zu lauern. Ich nehme das  Glas vor den Kopf und stecke es wieder in die Tasche; der halbverschneite Machandel hat mich genarrt. Und wieder hole ich es hervor und tue es abermals fort; ich glaubte ein Stück Wild zu erkennen; das war auch nur ein Machandelbusch. Endlich, als ich schon fast vor der Wohld bin, sehe ich drei Rehe dahinziehen. Unsicher und verstört benehmen sie sich; der erste schwere Schneefall hat sie unvertraut gemacht. Ich warte, bis sie tief im Felde sind, und gehe dann über die Brücke dem Pirschsteige zu, der hinter dem Bache vor den Wiesen hinführt.

Feierlich still ist es im Walde und so festlich hell. Der Bach plaudert verstohlen, und wenn ein Schneeballen aus den Kronen fällt, so ist das weithin vernehmbar. Mir ist, als dürfte ich nur ganz leise auftreten und müßte denAtem anhalten, um den schlafenden Wald nicht aufzuwecken, und ich erschrecke mich beinahe, als ein Ast gegen den Gewehrlauf schlägt, gleich als hätte ich eine Ungehörigkeit begangen. Dann aber bleibe ich stehen und lausche; in der äußersten Ecke der Jagd, vor dem Königlichen, schmält ein Reh anhaltend. Es ist möglich, daß es vor den Sauen warnt; es kann aber auch einen Menschen gewittert haben, vielleicht den Forstaufseher oder einen von der Bande, die hier ihr Unwesen treibt. Jedenfalls ist es nötig, daß ich darauf zugehe. Ich eile nach der nächsten Bahn und gehe schnell auf ihr entlang.

Hier ist es noch schöner als auf dem engen Pirschsteige. Rechts und links ragen die alten Fuhren hoch empor; auf ihren dunklen Häuptern tragen sie Schneekappen. Aber ich habe keine Zeit, mich an ihnen zu erfreuen und an den stolzen Fichten, den trotzigen Eichen und den Buchen, die dann kommen, bevor der große Kahlschlag beginnt. Ich sehe nur die Bahn entlang, ob Wild darauf steht und ob ich eine Menschenfährte antreffe. Hasen spüre ich zweimal, einmal den Fuchs, mehrfach Rehzeug und zuletzt auch Rotwild, ein altes Tier und ein Kalb. Zu Blick bekomme ich aber nichts, außer einen Hasen, der dicht vor mir über den Graben setzt und sofort entsetzt denselben Weg zurücknimmt.

Am Kreuzgestell bleibe ich unter der Zwillingsbuche stehen und stopfe mir eine frische Pfeife. Nach vier Richtungen kann ich von hier aus sehen und weithin, denn nun ist auch der Mond da. Mir gegenüber in dem Jagen bricht es leise; dort tritt Wild umher. Ganz hinten über die Hauptbahn schleicht der Fuchs. Leicht könnte ich ihn zu der Kanzel, die in die Buche eingebaut ist, heranmäuseln; doch ich mag heute, in dieser stillen, weißen Nacht, nicht schießen. Auf das Quergestell tritt ein starkes Reh heraus, sichert eine Zeit, schlägt dann den Schnee von den Himbeeren, verbeißt sie und zieht in das nächste Jagen, wo ich es noch eine Weile herumtreten höre, bis ein morscher Ast, den der Schnee abbricht, rauschend in die Schießholzbüsche fällt und es verjagt. Ich sehe es über das Gestell flüchten. Auch mir hat das Gepolter die Ruhe genommen, und ich gehe auf der Hauptbahn weiter, auf der der Schnee im Mondlicht flimmert und funkelt, als wäre Diamantenstaub darüber verschüttet, die von den Schatten der Fuhren blau gestreift ist.

Wo der Bach die Bahn schneidet, bleibe ich auf dem Stege stehen und sehe in das Wasser der Furt, das mit lauter silbernen Ringen spielt und leise murmelt, und nach dem mächtigen, vierfachen Hülsenbusch, dessen blankes Laubwerk über und über voller schimmernder Korallen hängt. Just will ich weiter, da bricht es ganz laut zur Rechten, und drei Stück Kahlwild treten vor mich hin, verhoffen einen Augenblick und poltern in die gegenüberliegende Dickung; ich sehe, daß mein Pfeifenrauch vor mir herweht. Noch einmal bricht es zur Linken, zieht näher und fährt von dannen. Auch dieses Stück hat Wind von mir bekommen. Es ist nicht unmöglich, daß es der starke, geweihlose Hirsch ist, hinter dem ich her bin; doch mir ist es lieber, wenn er mir heute nicht kommt. Ganz ohne Vorsicht gehe ich wieder weiter. Jetzt bin ich an der Grenze und sehe die Bahn hinauf und hinab. Ganz oben bewegt sich ein Schatten im königlichen Holz. Erst denke ich, es sei ein Stück Wild, dann erkenne ich, daß es ein Mensch ist, der sich auf dem Pirschsteige nach mir hin bewegt. Einen Augenblick geht mir ein peinliches Gefühl über die Brust; es wäre mir nicht recht, müßte ich heute einen Wilderer stellen. Aber dann habe ich es heraus, daß es der Forstaufseher ist; die lange, dürre Gestalt und der echte Waldläufergang sind nicht zu verkennen. Als er auf fünfzig Gänge heran ist, lasse ich halblaut den Jagdpfiff ertönen. In demselben Augenblicke verschwindet er hinter einem Stamme und geht in Anschlag. Ich rufe seinen Namen und nenne den meinigen, und sofort ist er wieder da, weiß erst nicht, wo er mich suchen soll, weil das weiße Zeug mich unsichtbar macht, aber dann gewahrt er mich, kommt lachend auf mich zu und gibt mir die Hand.

„Auf Wilddiebstreife?“ fragt er. Ich nicke. „Nichts gespürt?“ Ich schüttele den Kopf und sagte ihm dann, daß ich vorhin einen Schuß in dieser Ecke fallen hörte. „Das war ich; ich habe im Jagen Dreizehn einen Marder geschossen, einen ganz alten. Wollen Sie ihn sehen? Ich habe ihn in der Köte.“

Ich sage freudig zu, denn nun habe ich doch Gesellschaft, gute Gesellschaft, denn der lange Möller ist ein Mann nach meinem Herzen, und da er auch niemand auf der Welt hat, so passen wir gut zusammen heute. Eine Stunde gehen wir auf der verschneiten Bahn entlang, dann sind wir am Platze. Bald brennt der kleine Kanonenofen, und es wird gemütlich in der Jagdbude, zumal Rotwein und Zucker nicht fehlen, und der frische Bach Wasser für den Punsch gibt.

Ein Stündchen essen und trinken wir und reden von Wild und Waidwerk, dann meint Möller, daß er wieder los muß, und mir ist es auch recht, denn die Wärme und der Punsch drücken auf die Augen. Das Feuer wird ausgegossen, die Köte verschlossen, und hinaus geht es abermals in die mondhelle

stille Nacht.

 

Karl-Heinz Beckmann †

Am 2. Oktober 2007 wurde einer der besten Löns-Kenner im 59. Lebensjahr von seiner kurzen, schweren und unheilbaren Krankheit erlöst.

Wir Löns-Freundinnen und Freunde werden nicht vergessen, welchen Anteil Karl-Heinz Beckmann an der Arbeit des Hermann Löns-Kreises nahm. Seit dem Jahr 2000 war er 2. Vorsitzender des Verbandes der Hermann Löns-Kreise in Deutschland und Österreich e.V. Es würde zu weit führen, an dieser Stelle alle seine Publikationen aufzulisten, die er insbesondere zu und über Hermann Löns herausgegeben hat. Wiederholt wurde darüber in den Hermann-Löns-Blättern berichtet. Hier sei noch einmal auf sein großes Werk hingewiesen: „Hermann Löns – Sein Werk“, Ascheberg-Herbern 1996, welches für jeden Löns-Forscher und Löns-Freund unentbehrlich geworden ist. Noch kurz vor seinem Tod erschien der Band: „Hermann Löns. Malakologische und naturkundliche Beobachtungen“, Ascheberg-Herbern 2007.

Seine Schaffenskraft war unermesslich! Weitere Publikationen zu Hermann Löns und seinem Oeuvre waren bereits in Arbeit, doch diese Bände werden nun nicht mehr erscheinen.

Karl-Heinz Beckmann ist nicht mehr. Sein Name – an sich schon eine Losung – wird allezeit und in alle Richtungen, wo Löns-Verehrer leben, leuchten. Karl-Heinz Beckmanns Werk endet nicht mit seinem Abschied von der Erde. Mit seiner geleisteten Arbeit leben wir weiter, und noch viele Generationen von Löns-Forschern können auf die gründlich recherchierten Forschungen  zurückgreifen.

Alle, die ihn gekannt haben, werden ihn so in Erinnerung behalten wie er war: eine zielstrebige Kämpfernatur! Uns Hermann Löns-Freunden wird er unvergessen bleiben. Ehre seinem Andenken!

Karl-Rolf Lückel, Bad Berleburg-Girkhausen

Hermann Löns

Winterliche Haidefahrt

 

„Und ihr, meine Sträuße von wilden Haid‘,

mit lockerem Halme geschlungen,

O süße Sonne, o Einsamkeit,

Die uns redt mit heimischen Zungen,

Ich hab sie gepflückt an Tagen so lind,

wenn die goldenen Käferchen spielen,

Dann fühlte ich mich meines Landes Kind

Und die fremden Schlacken zerfielen.“

Annette v. Droste-Hülshoff

 

Im Sommer hatte ich die Lüneburger Haide schon bei Celle, Eschede und Burgdorf, die ich im Auftrage des „Hannoverschen Anzeigers“ bereiste, kennen gelernt; immer aber blieb mir eine stille Sehnsucht, meine liebe Haide auch im Winter kennen zu lernen, und so setzte ich an einen Dezembertag für diese Reise an.

Ich traf es gut. Als ich des Morgens an das Fenster trat, kokettierten alle Dächer mit einer glitzernden Eiskruste und die Ulmen der Straße hatten ihre nackten Zweige mit zierlichem Rauhreif eingehüllt, ein frischer Wind spielte mit dem blauen Rauche der Schornsteine Kriegen und die liebe Sonne fragte mit wohlgefälligem Lächeln, ob mir das Reisewetter passe. Schnell war ich am Bahnhof; über ein Dutzend lodengekleideter Waidmänner freuten sich mit mir über den herrlichen Wintermorgen, der eine schöne Jagd versprach. Die Unterhaltung drehte sich in den Abteilungen des Wagens nur um die edle Jägerei und ein sehr blühend aussehender Nimrod, dessen echter Rucksack wohl mehr vom vielen Proviant als von vieler Beute singen konnte, war besonders stark in den detailliertesten Jagdhistorien; sein Gegenüber aber plinkerte mir, den er ja als „Stenographist“ schon kannte, lächelnd mit den Augen zu und improvisierte:

„Och Schorse, nemm deck man‘n Acht, dat seck din Prahlen gifft, dor achter uns dor sitt en Kerel, de allen niederschrifft; dat kümmt denn in ’n ‚Anzeiger‘ und ward gliek kolportiert, und wenn de denn nix scheiten hest, Dann hest’e deck blamiert!“

Außer den Jüngern St. Huberti beherbergte der Wagen noch einen sehr eleganten und sehr redelustigen Herrn mit Wachstuchpaket, welcher beim Aussteigen auf einer kleinen Station sich nicht entblödete, der Reisegesellschaft „viel Glück“! zu wünschen, was ihm einige nicht gerade zärtliche Worte zuzog und mein Gegenüber veranlaßte, zornig auszurufen: „Schorse, smit dem Kerel de Wost in’n Nacken!“ Wir passierten Vinnhorst, hinter dem die Gegend recht kahl aussah, und Langenhagen, welches mit seinem hübschen Bahnhofe und den noch in den Windeln liegenden Anlagen viel versprechend aussieht. Ein Kirchlein erhob sich freundlich grüßend aus dem Orte und noch freundlicher nickten auf einem schmucken Bauernhofe die altsächsischen hölzernen Pferdeköpfe, die sich ebenso stur und steif weiter vererbt haben, trotz Karl dem Großen, wie der sture Wacholder auf der der Parzellierung verfallenen Haide. Bei Station Kaltenweide wäre ich am liebsten aus dem Zuge gesprungen, um sofort durch die wunderbar blitzende, bereifte Haide dem „Muswiller See“ im „Wilden Moore“ zuzueilen. Aber das ging leider nicht und so mußte ich mich mit den herrlichen Landschaftsbildern vom Koupeefenster aus begnügen, mit den versilberten Fiedergewächsen, welche aus blaugefrorenen Teichen zierlich sich emporhoben, mit den verschiedenartigen Gehölzen, die sich jedes nach seinem Geschmack verschiedenes Pelzwerk ausgesucht hatten. Mit geringer Abwechslung, bald hügelig, bald flach, bot sich bei Bissendorf, Mellendorf und Bennemühlen immer dasselbe großartige, silberumsponnene Haidelandschaftsbild. Bei Hope eilten zwei hübsche Bauernmädchen mit Backen wie Weihnachtsäpfel an den Zug heran und beförderten mit lustigem Gekicher zwei Briefe, nach den Mienen zu urteilen, an die Liebsten. In Schwarmstedt hielt der Zug etwas länger und im blanken Sonnenschein leuchtete der Bahnhof und Heines Hotel recht freundlich. Dann rollten die Wagen über die Allerbrücke, unter welcher der blaue Fluß sich behäbig durchschob, ein großer Durchlaß überspannte weitausgedehnte, überschwemmte Wiesen, die Gegend wurde wieder hügelig, Eickeloh mit der niedlichen Kirche kam in Sicht, auf den Hügeln wehten die Maibäume, lustig mit den zarten silbergekleideten Zweigen, um Riethagen zeigten sich weite Wiesen, Tümpel mit schillernden Eisdecken, Gräben und Sümpfe, daß der Ort seinen Namen mit Recht verdient, und ließen in mir den Plan entstehen, hierher im nächsten Frühjahr einen Ausflug zu machen und Prachtboukets mit heim zu bringen. Bei Beetenbrück bekam ich Gesellschaft; ein Bauer und ein sehr gemütlicher Gendarm stiegen ein.

Beide nach Kräften beflissen, mir alle meine Fragen über Häuser und Gegend zu beantworten. In Walsrode überlegte ich, ob ich hier meine Fahrt unterbrechen sollte: die reizende Lage der Stadt mit ihrem Flußtale, ihren Fabriken, der schönen Waldung und den Hügeln zog mich mächtig an, aber da man nicht wissen kann, was passiert, so dampfte ich dem Ziele meiner Reise zu. Trotzdem die Sonne recht tüchtig auf die weiße Haide niederschien, so ließ diese sich ihren Schmuck sobald nicht nehmen, so daß ich auch noch den Rest der Fahrt denselben köstlichen Anblick behielt.

 

Deutsche Bestseller im 20. Jahrhundert

In der von Donald Ray Richards 1968 vorgelegten Studie „The German Bestseller in the 20th Century. A Complete Bibliography und Analysis 1915-1940“ sind nach Auflagenhöhe von Löns Der Wehrwolf auf Platz 8, Das zweite Gesicht auf Platz 23 und Mümmelmann auf Platz 36 verzeichnet. Der Sinn solcher Listen kann natürlich immer in Frage gestellt werden, sie zeigen aber durchaus Tendenzen auf. So kann man jedenfalls sagen, dass das Werk von Löns hohe Auflagen erzielt hat und er einer der wenigen Autoren ist, der mehrfach in der Liste erscheint.

Geza

Postkarte von Hermann Löns

Dem Löns-Verband ist eine Fotokopie einer Postkarte zugegangen, die an Rektor Johs. Pasig in Berge adressiert ist. Der Text lautet (soweit lesbar):

Sehr geehrter Herr Rektor,

der „alte Wegweiser“ ist angenommen. Ihre Beiträge sind uns stets lieb.

Hochachtungsvoll

Hannover, 10. Nov. 99. Eichstr. 6.                        H. Löns

Die Postkarte ist deshalb interessant, weil auf dem Vordruck Hermann Löns und Friedrich Freudenthal als Redakteure der „Illustrierten Halbmonatsschrift Niedersachsen“ aufgeführt sind. Von 1898 bis März 1900 nahm Löns diese Tätigkeit wahr.

 

Vor ca. 100 Jahren:

Hermann Löns und sein umweltpädagogisches Wirken

zum Schutz der heimischen Herpetofauna

Hermann Löns (1866-1914) war nicht nur ein herausragender Heimat- und Tierdichter, sondern auch ein guter Kenner der niedersächsischen Tierwelt und einer der ersten Naturschützer in Deutschland (Klein, 1986). So war er nach Beckmann (1988) ein bedeutender westfälischer Malakologe (Weichtierforscher) und hatte seine zoologischen Schwerpunkte daneben besonders in der Säugetier- und Vogelkunde, die er auch in zahlreichen belletristischen Skizzen z. B. in „Mümmelmann“ (1909) und „Was da kreucht und fleucht“ (1909) darstellte. Daß er daneben einige kurze Erzählungen mit herpetologischem Inhalt verfaßt hat und sich schon 1909 für den Schutz dieser „Ekeltiere“ stark gemacht hat, dürfte den heutigen Lesern weitestgehend unbekannt sein. Deshalb seien seine Texte mit herpetofaunistischen Skizzen hier kurz vorgestellt.

 

Die Erhaltung der Tierwelt (Löns, 1909)

Dieser Vortrag ist 1909 als 11-seitige Flugschrift des Dürer-Bundes zur ästhetischen Kultur Nr. 45 erschienen und 1924 in dem Nachlaßband „Für Sippe und Sitte“ (Löns 1924) nachgedruckt worden. Er zählt neben dem 1911 gehaltenen Vortrag „Der Naturschutz oder die Naturschutzphrase“ (Klein, 1986) und den ebenfalls in obigem Nachlaßband gesammelten Aufsätzen „Der Schutz der Heimat“, „Der Harzer Heimatpark“ und „Naturschutz ist Rasseschutz“ zu seinen wichtigsten Naturschutztexten.

Zwar nahmen in der Flugschrift die Gefährdung der heimischen Vogel- und Säugetierwelt den größten Raum ein, doch Löns hat auch eine treffende Charakterisierung der heute noch teilweise zutreffenden Gefährdung der heimischen Herpetofauna gegeben und, wohl auch als einer der Ersten, einen

umweltpädagogischen Schutzvorschlag gemacht: „Trauriger noch, als mit unserer Vogelwelt, steht es mit den Kriechtieren und Lurchen. Unsere unschädlichen Schlangen, die glatte Natter und die Ringelnatter, werden über kurz oder lang bei uns ausgestorben sein. Einmal werden sie totgeschlagen,

wo sie sich sehen lassen, weil man sie immer mit der Kreuzotter verwechselt. Hier muss die Schule einsetzen, und in jeder Klasse müßten gute, mit Erläuterungen versehene Abbildungen unserer Schlangen hängen.

Dann aber sorgen die Aquarien- und Terrarienhändler gründlich für die Ausrottung unserer Schlangen und Eidechsen. Es ist kaum glaublich, was in Hannover allein jährlich zusammengefangen und an Dilettanten, die die Tierchen meist verkommen lassen, verkauft wird. Der Aquarien- und Terrariensport ist zum großen Teil nichts wie eine sinnlose Faunenausräuberung, die es fertig gebracht hat, daß rund um Hannover die hübsche Zauneidechse, die harmlose Blindschleiche und der niedliche Laubfrosch fast oder ganz ausgerottet sind. Vor zehn Jahren hörte man im Mai überall die Laubfrösche meckern, heute hört man nur noch selten einen in der Nähe der Stadt.

Auch der prächtige Salamander wird in solchen Mengen in unseren Bergwäldern fortgefangen, dass er von Jahr zu Jahr seltener wird und bald vielleicht ganz verschwunden ist.

Jeder dritte Junge, auch der, der kein inneres Interesse daran hat, schafft sich ein Terrarium an, quält darin die unglücklichen Insassen, und läßt sie schließlich halb tot irgendwo, wo sie keine Existenzbedingungen finden, laufen. Ebenso wird mit den Wassermolchen verfahren. In jedem Frühling

wird jeder Tümpel nach ihnen abgekätschert. Tausende und Tausende dieser harmlosen Tierchen werden in die Stadt geschleppt und in unzweckmäßiger Weise gehalten, bis sie entweder verhungern oder den Kindern langweilig werden, um dann fortgeworfen zu werden.

Hier könnte die Schule sehr gut wirken, indem sie einmal die Kinder auf das Schädliche dieses Sammelunfugs aufmerksam macht, dann aber auch durch die Anlage zweckmäßig eingerichteter Aquarien und Terrarien in den Schulen, wie es hier und da schon geschieht; auch die Aquarien- und

Terrarienvereine sollten sich bemühen, in dieser Angelegenheit erzieherisch zu wirken. Wird nicht auf irgendeine Art dem Sammelunfug Einhalt getan, so bleibt von unserer ganzen Amphibien- und Reptilienfauna weiter nichts übrig als Gras- und Wasserfrosch, Erdkröte und Kreuzotter.“

Die vier genannten Arten diskriminierte Löns allerdings dann später im Text als „Tierproletariat“; dies aber wahrscheinlich wohl nur, um den „Wert“ der selteneren gefährdeteren Arten zu erhöhen und ihnen mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

 

Der zweckmäßige Meyer (Löns, 1911)

Auch in diesem „schnurrigen Buch“ sind mit „Ein Naturfreund“, „Die Forscher“ und „Quaaks“ einige belletristische Skizzen mit herpetologischem Inhalt enthalten, worin Löns ebenfalls, aber diesmal auf humorvolle Art und Weise, Umweltpädagogik betreibt.

In „Ein Naturfreund“ persifliert Löns in amüsanter Weise die allerdings tragische Gefährdung der Herpetofauna durch einen so genannten Naturfreund, der Laubfrösche, Berg-, Kamm-, und Fadenmolche, Eidechsen und Feuersalamander zum Nebenverdienst sammelt, um sie dann an Händler zu verkaufen. Auch beschwert er sich, daß es immer weniger Lurche würden und er immer weiter fahren müßte, um welche zu finden und daß Schuljungs durch ihre Sammelei ihm das Geschäft vermasseln würden.

Löns‘ Schilderungen in der Erzählung über die Gras- und Moorfrösche sind ebenfalls köstlich:

„...während in dem vertrockneten Schilfe die Grasfrösche sich dem Fortpflanzungsgeschäfte hingaben und dabei derartig murrten, als sei ihnen diese Tätigkeit auf das äußerste zuwider, was nachweislich nicht der Fall ist.“

„Die Liebe hatte ihm nicht nur die Hautstruktur verändert, so daß er so blau aussah wie Steinöl, das in der Sonne steht, sondern ihm auch den Verstand getrübt, und so merkte er erst, als ich ihn zwischen den Fingern hielt, daß er einen dummen Streich begangen hatte. ...und als ich ihm mit Daumen und Zeigefinger um die Taille faßte, schienen süße Erinnerungen in seinem Gehirn Form anzunehmen, denn er erhob ein zärtliches Schnurren.“

In „Die Forscher“ beschreibt Löns humorvoll die abenteuerliche Tümpelfahrt der Kinder August Dusendahl, Heinrich Fricke, Aadje und Zieschen Schlöber, die durch den Fang eines wunderschönen Bergmolchs und eines großen Kammmolchs belohnt wird.

Hatte Löns in „Mümmelmann“ dem Feldhasen ein literarisches Denkmal gesetzt, so ist ihm das mit „Quaaks“ für den Teichfrosch Rana esculenta gelungen, der in eine als Gartenteich fungierende ebenbündig in den Boden eingelassene Zinkwanne einwandert. Hier beschreibt Löns in seiner bekannten, humoristischen Manier den Jahresverlauf dieser Grünfroschart, die sich schließlich an einem zu großen Regenwurm verschluckt und eingeht.

Aus pädagogischer Sicht weist Löns hier noch auf den Unfug hin, weitere Amphibienarten wie Laubfrosch, Knoblauchkröte oder Grasfroschkaulquappen in einen kleinen Gartenteich zu setzen, da der gefräßige Grünfrosch diese allesamt verspeist.

Fazit: Löns 2006

Zwar zählt das Wegfangen von Amphibien heute nicht mehr zu den wesentlichen Gefährdungen der heimischen Herpetofauna, doch ist der Löns’sche Ansatz, durch Schulterrarien und Terrarienvereine Kindern und Jugendlichen Amphibien und Reptilien näher zu bringen heute noch genauso aktuell wie vor 100 Jahren. Nur ist es aufgrund der strengen naturschutzrechtlichen Bestimmungen heute kaum möglich, ohne großen Schriftaufwand heimische Amphibien und Reptilien zu zeigen, so dass die Lehrerschaft eher auf exotische Amphibien und Reptilien ausweicht. Ein Schulteich könnte auch hier Abhilfe schaffen.

Wurden in den 80er- und 90er-Jahren noch zahlreiche Amphibien für den eigenen Gartenteich gefangen, so ist es heute schon eine absolute Seltenheit, einmal Kindern zu begegnen, die Frösche, Kröten oder Molche fangen, da diese wohl lieber vor dem PC oder der Glotze hocken. Eine bedauerliche Entwicklung, da man nur das schützen wird, was man auch kennt. Deshalb ist auch nach 100 Jahren Hermann Löns nach wie vor aktuell und jedem an der Herpetologie, Terrarienkunde und Umweltpädagogik Interessierten wärmstens zu empfehlen.

Detlef Münch

Wege eines Löns-Manuskripts

Das Fahrrad war es, was mich auf die Spuren von Hermann Löns brachte. Seit Jahren interessierte ich mich nicht nur für historische Fahrräder, sondern auch für die Geschichte des Fahrrades mit seinen vielfältigen Facetten. Auch der historische Radsport begeisterte und begeistert mich.

In einem Antiquariat entdeckte ich vor längerer Zeit das „Buch“ eines Radsportfans, der ab etwa 1900 Berichte über Radsportler und Radsportereignisse gesammelt und darin eingeklebt hatte, ergänzt mit Fotos, Autogrammkarten, Programmhinweisen usw. Ein äußerst interessanter und informativer Fund. Ein Zeitungsausschnitt fand mein besonderes Interesse, obwohl dessen Inhalt nicht dem Radsport galt. „Auf dem Rade durch die Eilenriede“, war der Text über- und mit „H.L.“ unterschrieben. Flott getextet und hübsch zu lesen, dachte ich. Man sah sich förmlich durch den Stadtwald flitzen und freute sich über die Schilder der Gaststätte am Ausflugsziel, auf denen witzige Texte standen wie: „Man schmiert sich und die Kniegelenke, am besten in der Mühlenschenke“.

Erst später wurde mir klar, wer der Autor des Berichtes war. Da war mir „H.L.“ schon in anderen Artikeln begegnet, unter anderem in Texten zum „1. Großen Preis der Stadt Hannover“, Deutschlands erstem großen internationalen Radrennen auf der hannoverschen Radrennbahn. Löns hatte es initiiert und viele mal wurde in den Tageszeitungen über Pro und Contra, über die Vorbereitungen, über die anreisenden Rennfahrer und später über die Rennen berichtet.

Mir wurde bald klar, daß Hermann Löns einer der ganz frühen Fahrradfans war, der seinen Drahtesel liebte und ihn gerne jeden Tag bewegt hätte in der Zeit, als das Fahrrad populär wurde. Und Löns war außerdem einer, der über das Radfahren zu schreiben verstand. Viele der zahlreichen Texte des Redakteurs wären ohne sein Stahlroß nicht möglich geworden. Er wäre zu Fuß gar nicht an die Orte gelangt, die er beschreib. Mich begeisterten außerdem seine hervorragenden Berichte von Radrennen und über Radsportler.

Nun war ich – Radfahrer, Radsportler, heimatverbunden und aus der Heide stammend – „heiß“ auf Löns. Ich erstand entsprechende Literatur, was heute per Internet ein Kinderspiel ist und durchforstete sie nach Fahrradhinweisen. Das Ergebnis übertraf meine kühnsten Erwartungen. Inzwischen hatte ich auch einige Lönsexperten kennen- und schätzen gelernt. In Hannover war es Dr. Helmut Prilop, während seiner Berufsjahre Leiter der Stadtbibliothek in der Hildesheimer Straße und somit verantwortlich für die Löns-Bestände und nach seiner Pensionierung rund um die Uhr in Sachen Löns tätig, sowie Karl-Heinz Beckmann, Ascheberg-Herbern, den leider viel zu früh verstorbenen Löns-Sammler und herausragenden Löns-Spezialisten. Beide beantworteten bereitwillig meine Fragen und Dr. Prilop versorgte mich zusätzlich mit Löns-Artikeln früherer hannoverscher Tageszeitungen und verschiedener Zeitschriften. Die mir zur Verfügung stehenden Texte hatte ich inzwischen be- und verarbeitet mit dem Ziel, sie in einem Buch zu veröffentlichen.

Bei meinen Recherchen erfuhr ich auch, daß Löns eine Firmenschrift für die „Deutschland Fahrradwerke August Stukenbrok“ in Einbeck verfaßt hatte. Dieser Text, Löns schrieb ihn am 10.10.1910, war veröffentlicht worden, allerdings ohne den Text zur „Geschichte des Fahrrades“ (Dr. E. Plümer: „Die Deutschland-Fahrradwerke August Stukenbrok zu Einbeck“, Herausgeber Stukenbrok-Museum der Stadt Einbeck, 1982). Gerade den fehlenden Text hätte ich gerne erstveröffentlicht und so wandte ich mich an das Stadtmuseum in Einbeck, in der Hoffnung, daß das Manuskript dort zu finden ist, schließlich hatte man ja dort die übrigen Texte veröffentlicht. Aber, das Manuskript ließ sich nicht finden. Inzwischen zeigte sich auch K.-H. Beckmann an einer Kopie interessiert. Das spornte meinen Ehrgeiz noch zusätzlich an.

Parallel zur Suche nach dem Manuskript hatte ich mich als Fahrradhistoriker mit der August-Stukenbrok-Geschichte befaßt. Stukenbrok war in ganz Deutschland bekannt geworden als „Versender“. Mit einem enormen Werbeaufwand und bis zu 400 Seiten umfassenden Katalogen in einer jährlichen Auflage bis zu 500.000 Stück lieferte er seinen zahlreichen Kunden Waren ins Haus, Fahrräder und Dinge des Haushalts und der Freizeit. 1914, zu seinem 25jährigen Bestehen, hatte er insgesamt 250.000 Fahrräder verkauft, eine gigantische Zahl, wenn man den Zeitpunkt seiner  Verbreitung und die damaligen Bevölkerungszahlen berücksichtigt.

Bekannt war, daß Stukenbroks einziges Kind, die Tochter Hertha, nach dem Tod August Stukenbroks 1930 und dem Konkurs der „Deutschland-Fahrradwerke“ 1931 in Hannover wohnte und dort 1936 den Schriftleiter Hans Bindert heiratete. Dann verlor sich nach mehreren Umzügen, die noch verfolgt werden konnten, die Spur Hertha Binderts im Ungewissen.

Daß dann meine zunächst erfolglosen Nachforschungen doch noch Früchte tragen sollten, ergab sich im Oktober 2007. Und das kam so: Das Ehepaar Renate und Frank Bindert aus Hannover hatte sich mit Frau Dr. Heege, Leiterin des Stadtmuseums in Einbeck verabredet. Binderts interessierten sich für Fotos von der Stukenbrok-Tochter Hertha, weil eine entfernte Verwandtschaft bestand zum Oberst a. D. Hans Bindert, dem Ehemann von Hertha Stukenbrok. Bei diesem Gespräch erzählten die Binderts, daß sie einige Dinge aus dem Stukenbrok-Nachlaß besäßen, wozu auch eine Löns’sche Handschrift zur Stukenbrok-Firmengeschichte gehört habe. Diese hätten sie aber inzwischen an die Stadtbibliothek Hannover mit ihrem umfangreichen Löns-Archiv abgegeben. Frau Dr. Heege erinnerte sich an meine Suche und informierte mich sofort.

Dann ging alles ganz schnell. Anruf bei Dr. Prilop, Verweis auf den für das Löns-Archiv zuständigen Bibliothekar Detlef Kasten, Anruf mit der erfolgreichen Bitte um Kopien, transkribieren der Vorlage, Korrekturlesen mit Dr. Prilop, fertig. Nun liegt dieser fehlende, und auch aus heutiger Sicht noch interessante Löns-Text vor. Er beginnt auf Seite 6 und endet auf Seite 12 des Manuskripts.

Interessant ist, wie das Löns-Manuskript zu den Binderts nach Hannover gelangte. Nach dem Tode ihres Vaters August Stukenbrok – die Mutter war schon früher gestorben – war Hertha Stukenbrok einzige Erbin. Deshalb gingen trotz der Pleite eine Reihe persönlicher Dinge in das Eigentum von Hertha über. Hertha Bindert zog mit ihrem Mann einige Male um und starb im August 1945 in Högersdorf, Kreis Segeberg. Der Stukenbrok-Nachlaß war nun im Besitz ihres Mannes Hans Bindert. Oberst a.D. Bindert zog nach dem Tode seiner Frau zu seiner unverheirateten Schwester nach Kappel/Freiburg. Als Bindert 1966 starb, erbte seine Schwester Erika Bindert den Nachlaß. Sie verstarb 1980.

Da sowohl Hertha und Hans Bindert als auch dessen Schwester kinderlos waren, ging die Erbschaft über an den Bindert-Cousin Heinrich Bindert in Hannover. Der starb 1992, seine Ehefrau 15 Jahre später. Ihr Tod im Jahre 2007 machte den Sohn Frank Bindert sowie dessen Brüder zu Erben. Auf diesem Weg hat also auch das Löns-Stukenbrok-Manuskript – neben einigen anderen persönlichen Stukenbrok-Erinnerungsstücken – den Weg endgültig zurück nach Hannover gefunden, wo Hermann Löns diesen Text auch geschrieben hat. Daß die Lönsoriginale nun ins Lönsarchiv der Stadtbibliothek Hannover gelangten, ist einem dieser kleinen Glücksfälle zu verdanken, die häufig Sammlungen vervollständigen, sowie dem Weitblick und der Großzügigkeit von Renate und Franz Bindert. Darüber freuen sich die Verantwortlichen der Stadtbibliothek ebenso wie zahlreiche Lönsfreunde und besonders auch der Verfasser, dessen Buchtexte nun komplett sind.

Walter Euhus, Langenhagen

Löns-Literatur von Dr. Rudolf Berndt

Von den Erben verstorbener Mitglieder werden uns immer mal wieder Bücher von und über Hermann Löns überlassen. Auch Herr Hans-Helmut Berndt aus Cremlingen-Weddel hat uns insgesamt 35 Bücher aus dem Nachlass seines verstorbenen Vaters, Herrn Dr. Rudolf Berndt, geschenkt (u.a. Beiträge zur Landesfauna von H.L., Sonderdruck aus dem Jahrbuch des Provinzial-Museums zu Hannover 1906). - Dr. Berndt war ein großer Löns-Verehrer und Mitglied unseres Vereins von Anfang an. Nach dem Kriege hatte er den Naturschutzbund (NABU), Bez.-Gruppe Braunschweig (früher Bund für Vogelschutz), gegründet. Als Biologe und Ornithologe war er besonders davon angetan, dass Löns als einer der ersten die Wichtigkeit des Schutzes der Natur erkannte, als noch keiner davon sprach.

Im Namen des Löns- Verbandes danke ich Herrn Berndt herzlich.

Monika Seidel

 

Neuerscheinungen

 

Hermann Löns: Brockengeheimnisse. Erzählungen aus dem Harz.

Nicht nur für Harzbesucher, sondern auch für Lönsfreunde ist es zu begrüßen, dass Detlef Meyer ein neues Löns-Buch vorgelegt hat. Meyer hat hier die schönsten Harz-Erzählungen von Hermann Löns zusammengestellt. Das Büchlein enthält so bekannte Schilderungen wie „Die bunte Stadt am Harz“ oder „Brockengeheimnisse“. Aber auch weniger bekannte Schilderungen wie „Die Brockenfahrt der Elektrotechniker“ oder „Mehr Schutz für den Brocken“ findet der Leser in der neuen Publikation. 16 Schilderungen und ein Gedicht von Hermann Löns sind hier zu einem empfehlenswerten Buch vereint. Das 116 Seiten umfassende Werk ist im Text mit typischen Fotos aus der Harzregion unterlegt, dem Vorwort steht das bekannte Foto „Hermann Löns mit Drilling und Fernglas“ voran. In keinem Bücherschrank mit Lönsliteratur sollte dieses lobenswerte Bändchen fehlen, und so ist es für den natur- und landschaftsinteressierten Harzwanderer unentbehrlich und ein unterhaltsamer Begleiter.

Auch wenn es als BOD-Buch publiziert wird, so ist es über jede Buchhandlung bestellbar.

Karl-Rolf Lückel

Hermann Löns: Brockengeheimnisse. Erzählungen aus dem Harz. Ausgewählt von Detlef Meyer, Norderstedt 2007 (Books on Demand). 9,80 €. ISBN 978-3-8370-0364-2.

 

Edmund Löns: Heidewachtel. Kleiner Münsterländer Vorstehhund oder Spion.

Edmund Löns, 1880 als jüngerer Bruder des Heidedichters Hermann Löns geboren, hat mit seinem heimlichen Zuchterfolg den Grundstein für die Braunschimmelzucht (Kleine Münsterländer) gelegt. Sein Standardwerk „Heidewachtel“ von 1922 wurde jetzt neu aufgelegt. Es wurde erweitert mit einer Biografie sowie einem Zusatzkapitel einer früheren Weggefährtin von Löns, Frau Elisabeth Böhmer, die die wahren Hintergründe von Löns’ Braunschimmelzucht aufdeckt. Löns stellte ihr frei, sein Vermächtnis zu wahren und zu geeigneter Zeit zu veröffentlichen. Zu Lebzeiten scheute er die Querelen um züchterische Streitfragen. Dieses Buch ist damit ein wertvolles kynologisches Zeitdokument und ergänzt in idealer Weise die aktuelle Literatur über den Kleinen Münsterländer Vorstehhund.

Edmund Löns: Heidewachtel. Kleiner Münsterländer Vorstehhund oder Spion. 110 Seiten, 51 s/w-Abbildungen, Hardcover. Verlag Neumann-Neudamm, 19,95 Euro. ISBN 978-3-7888-1173-0.

 

CD Hörbücher

Teil 1. Hermann Löns: Geschichten und Naturschilderungen aus der Lüneburger Heide

Hermann Löns‘ Naturschilderungen dürfen als einmalig angesehen werden, er verniedlicht die Natur nicht, sondern beobachtet sie mit dem scharfen Blick des Jägers. Gleichzeitig werden von ihm mit einem selten gewordenen Einfühlungsvermögen die Tier- und Pflanzenwelt beschrieben. Er betrachtet

die Natur gleichzeitig sowohl realistisch als auch voll poetischer Empfindung und das verleiht seinen Schilderungen einen unerhörten Reiz. In der Erzählung „Die beiden Höfe“ zeigt er sich z. B. als weltmännischer Realist und gibt der bewährten Tradition den Vorzug gegenüber ideologisch geprägter Neuerung. Auf der CD spricht Michael Will folgende Texte: 1. „Der Schäferkönig“, 2. „Es steht die Welt in Blüte“, 3. „Die beiden Höfe“, 4. „Das rosenrote Land“, 5. „Der einsame Wisent“, 6. „Sommerboten und Sonnenkinder“ und 7. „Das taube Tal“.

Hermann Löns, Teil 1: Geschichten und Naturschilderungen aus der Lüneburger Heide. Maintal-Verlag 2005. Gesamtspieldauer: 72,78 Min., Artikelnummer 1002. 6,90 € + Versandkosten, Bezug bei: Maintal-Verlag, Kronacher Straße 37, 96215 Lichtenfels, Tel./Fax 09571/946010, e-mail: info@maintal-verlag.de

 

Teil 2. Hermann Löns: Geschichten und Landschaftsschilderungen aus Niedersachsen

In dieser CD kann der Hörer mit den Worten des Journalisten Löns diverse Orte und Stimmungen erleben. Er führt ihn an das Steinhuder Meer oder in den Harz. Beim Lesen der Erzählungen „Unter dem Schornsteinkleid“ kann man träumen oder bei „Duodez“ Spott genießen oder in „Die Zeit der schweren Not“ den Naturkenner erleben. Löns gibt dem Hörer die Liebe zur Heimat und die Achtung vor der Schöpfung zurück. Beim „Krähengespräch“ kommt Sprecher Michael Will trotz der Verwendung von Dialekten allerdings nicht an die Qualität des in ganz Norddeutschland bekannten Rezitators Hermann Wiedenroth heran. Im Rahmen der Löns-Woche 2005 konnte das Publikum Wiedenroths Vortragskünste bewundern. Auf der CD spricht Will folgende Texte: 1. „Der Strand“, 2. „Der Märchenwald“, 3. „Krähengespräch in Hannover“, 4. „Die Zeit der schweren Not“, 5. „Duodez“, 6. „Das Steinhuder Meer“, 7. „Höret“, 8. „Harzträume“ und 9. „Unter dem Schornsteinkleid“.

Hermann Löns, Teil 2: Geschichten und Landschaftsschilderungen aus Niedersachsen. Maintal-Verlag 2005, Gesamtspieldauer: 74,08 Min., Artikelnummer 1003, 6,90 € + Versandkosten, Bezug: wie zuvor.

 

Aus den Löns-Kreisen

 

Hermann-Löns-Kreis Lüneburger Heide

Doose als Vorsitzender bestätigt

„Wir wollen sein Andenken hochhalten, seine Werke lesen und darüber sprechen“, so die Worte der pensionierten Realschullehrerin Ellen Kopp, die vor 40 Jahren dazu aufgerufen hatte, eine regionale Untergruppe „Lüneburger Heide“ der Löns-Freunde Deutschland und Österreich zu bilden.

Auf der Jahreshauptversammlung des Löns-Kreises Lüneburger Heide wurde der komplette Vorstand mit Wolfgang Doose, Gertrud Johannes und Ingeorg Stadie wieder gewählt. Als neuer Kassenprüfer wurde Joachim Westphal hinzugewählt.

Der wiedergewählte Vorsitzende Wolfgang Doose ließ die letzten 40 Jahre Löns-Bewegung in der Heide anhand von Unterlagen, Zeitungsausschnitten und Fotos noch einmal Revue passieren. Zu besonderen Ehren kam dabei in Abwesenheit noch einmal Walsrodes früherer Stadtdirektor Dr. Ernst Wilhelm Busemann. Dieser hatte es verstanden, berichtete Doose, die hiesige Löns-Bewegung, die in zwei Gruppen zerfallen war, mit großem diplomatischen Geschick wieder zu vereinen. Doose wies aber auch darauf hin, dass der fehlende Nachwuchs ein großes Problem sei. Wenn es nicht gelinge, das bedeutende und vielseitige Werk von Hermann Löns in spannender Art und Weise wieder in die Schulen zu tragen, werde die Löns-Bewegung zukünftig abnehmen.

Verein „Heimat, die Heide blüht“, Uelzen

Volkstümlicher Nachmittag am 28.10.2007 in Uelzen

Der Heimatverein „Heimat, die Heide blüht“ lud am 28. Oktober wieder zu einem Volkstümlichen Nachmittag ein. Nach den Grußworten von Landrat Dr. Theodor Elstner, Jörg Hillmer, MdL, und Heidekönigin Henrieke Drengemann aus Westerweyhe wurde zunächst dem 100. Geburtstag von

Friedrich Tewer gedacht, dem Dichter des Uelzener Uhlenköperliedes. Sohn Ekkehard Tewer, zugleich 1. Vorsitzender von „Heimat, die Heide blüht“, ging in seiner Würdigung auf einen Fundus von 89 Gedichten und zahlreichen musikalischen Werken ein, zitierte beispielhaft das Gedicht „Sonnenschein“ und interpretierte die von Friedrich Tewer hinterlassene Originalfassung des Uhlenköperliedes, das unter der Begleitung von Ingo Zittlau gemeinsam gesungen wurde.

Danach sang der „Original Falsche Heino“ (1. Preisträger der Heino-Imitatoren von 1986) das Löns’sche „Auf der Lüneburger Heide“, „Wenn abends die Heide träumt“ und andere. Die Oer-Li-La Blasmusikanten brachten Melodien zum Schunkeln mit. Ihr Höhepunkt war ein Niedersachsenmedley, beginnend mit der Hannoverschen Fanfare, dem Niedersachsenlied und abermals der „Lüneburger Heide“. Nach der Pause erfreute der Shanty-Chor „Die Helgoländer Jungs“ mit Seemannsliedern das mitsingende Publikum.

  

 

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