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Hermann-Löns-Blätter,
Heft 4 / 2007
(auszugsweise, ohne Bilder)

Titelbild: Winterliche
Impressionen auf einem Aquarell der Walsroder Künstlerin Erika
Klusmann
Inhaltsverzeichnis
Hermann Löns: Die Stille Nacht
Karl-Heinz Beckmann †
Hermann
Löns: Winterliche Haidefahrt
Deutsche Bestseller im 20. Jahrhundert
Postkarte von Hermann Löns
Hermann Löns und sein umweltpädagogisches
Wirken zum Schutz der heimischen Herpetofauna
Wege eines Löns-Manuskripts
Löns-Literatur von Dr. Rudolf Berndt
Buchvorstellung:
Hermann Löns:
Brockengeheimnisse
Buchvorstellung:
Edmund Löns: Heidewachtel
CD-Vorstellung Hörbücher Teil 1: H. Löns:
Geschichten und Naturschilderungen aus der
Lüneburger Heide
Teil 2: H. Löns:
Geschichten und Landschaftsschilderungen aus
Niedersachsen
Hermann-Löns-Kreis Lüneburger Heide: Doose als Vorsitzender bestätigt
Verein „Heimat, die Heide blüht“, Uelzen:
Volkstümlicher Nachmittag
Hermann Löns
Die Stille Nacht
Rein und schön ging heute die Sonne auf.
Eine Stunde lang schien sie froh und heiter auf das Land. Dann
kam die graue Wetterwand, die gestern den ganzen Tag am Himmel
gelauert hatte, wieder,
löschte das Sonnenlicht aus und schüttelte
ihre Schneebürde ab, erst schüchtern und zage, dann immer
kecker und ungestümer.
Bis in den späten Nachmittag stoben die
Flocken herunter, fielen in ganzen Wolken hernieder, fuhren in
wilden Wirbeln durch die Dorfgassen, stürzten sich auf die
Strohdächer, hingen sich in die Hecken, blieben an den
Backhäusern kleben, begruben alle Wege und Stege und füllten
jeglichen Graben aus.
Mir kommt das Wetter just zu passe; die
letzten Tage gefiel es mir wenig. Erst gab es Regen und
Schlappschnee, der nicht liegenblieb, dann Nordostwind mit
Plattfrost, bei dem sich alles Gewild in den Dickungen hielt.
Zudem war es nicht sauber in der Gegend.
Im Königlichen war ein altes Rottier zuschanden geschossen, in
unserer Jagd fand ich den Aufbruch eines Bockes, in der
Nachbarjagd waren drei Rehe abgängig. Und es gab keine
Möglichkeit, die Wilderer zu spüren.
Wer die Freischützen waren, wußte kein
Mensch. Von den ansässigen Leuten wilderte niemand; das war uns
sicher bekannt. Die Wilderer mußten unter den fremden Arbeitern
sein, die bei den Bohrtürmen zu tun hatten. Einer von ihnen
hatte sich in verdächtiger Weise im Königlichen herumgetrieben.
Der Förster stellte den Mann, fand aber keine Waffe bei ihm.
Ich will heute den Jagdhüter vertreten.
Acht Nächte ist er in kein Bett gekommen. Und heute, am Heiligen
Abend, möchte er bei Weib und Kind bleiben. Er tat so, als
wollte er ablehnen; aber als ich ihm sagte: „Mensch, Thies,
Neuschnee und Mond, etwas Schöneres gibt es nicht für mich! Und
was soll ich an diesem Abend im Kruge? Da sitze ich den Leuten
doch bloß im Wege“, da bedankte er’ sich sehr, und seine hübsche
Frau bekam ganz blanke Augen vor Freude.
Und dann bin ich allein mit mir in der
weißen, weiten, weglosen Heide. Es ist so schneehell, daß ich
weit sehen kann, zumal alle Sterne da sind. Ich habe mir das
weiße Zeug übergezogen, das Gesicht dick eingepudert, und da
Kappe und Handschuhe auch weiß sind und Rucksackträger und
Gewehrriemen ebensolche Überzüge tragen, so bin ich gänzlich
unsichtbar und auch fast unhörbar, da ich Schneereifen unter die
Schuhe gebunden habe. Zwanzig Gänge von mir geht der Briefträger
vorüber, ohne mich wahrzunehmen. Als sein Hund, der meine
Witterung bekommen hat, mich aber
nicht äugen kann, sich ängstlich an ihn
drängt, bleibt der Mann stehen, sieht sich um, schüttelt den
Kopf und geht etwas schneller weiter.
Ich gehe in seiner Spur entlang, bis ich
auf der Höhe bin. Da bleibe ich stehen und sehe mich um.
Wunderlich sehen die halbverschneiten großen Machandeln und die
Krüppelfuhren aus, und von dem hohen Brahm ist nichts zu
erkennen als einige wenige Ruten, die wie schwarze Spieße aus
dem Schnee starren. Das Heidekraut, das hier kniehoch steht, ist
völlig verdeckt; ganz wenige besonders lange Büsche stehen wie
schwarze Gespensterchen in der weißen, silbern blitzenden
Fläche, von der sich hier und da, vom Schnee gebogen, die
fahlgelben Benthalme abheben.
Schneller gehe ich voran. Keine Fährte und
nicht eine einzige Spur ist zu erblicken, kein Stück Wild ist zu
sehen. Selbst hier, wo der Hauptwechsel von der Wohld nach der
Feldmark hinführt, steht keine Fährte im Schnee. Aber ein Mensch
scheint dort unter der krausen Fuhre zu lauern. Ich nehme das
Glas vor den Kopf und stecke es wieder in die Tasche; der
halbverschneite Machandel hat mich genarrt. Und wieder hole ich
es hervor und tue es abermals fort; ich glaubte ein Stück Wild
zu erkennen; das war auch nur ein Machandelbusch. Endlich, als
ich schon fast vor der Wohld bin, sehe ich drei Rehe dahinziehen.
Unsicher und verstört benehmen sie sich; der erste schwere
Schneefall hat sie unvertraut gemacht. Ich warte, bis sie tief
im Felde sind, und gehe dann über die Brücke dem Pirschsteige
zu, der hinter dem Bache vor den Wiesen hinführt.
Feierlich still ist es im Walde und so
festlich hell. Der Bach plaudert verstohlen, und wenn ein
Schneeballen aus den Kronen fällt, so ist das weithin
vernehmbar. Mir ist, als dürfte ich nur ganz leise auftreten und
müßte denAtem anhalten, um den schlafenden Wald nicht
aufzuwecken, und ich erschrecke mich beinahe, als ein Ast gegen
den Gewehrlauf schlägt, gleich als hätte ich eine Ungehörigkeit
begangen. Dann aber bleibe ich stehen und lausche; in der
äußersten Ecke der Jagd, vor dem Königlichen, schmält ein Reh
anhaltend. Es ist möglich, daß es vor den Sauen warnt; es kann
aber auch einen Menschen gewittert haben, vielleicht den
Forstaufseher oder einen von der Bande, die hier ihr Unwesen
treibt. Jedenfalls ist es nötig, daß ich darauf zugehe. Ich eile
nach der nächsten Bahn und gehe schnell auf ihr entlang.
Hier ist es noch schöner als auf dem engen
Pirschsteige. Rechts und links ragen die alten Fuhren hoch
empor; auf ihren dunklen Häuptern tragen sie Schneekappen. Aber
ich habe keine Zeit, mich an ihnen zu erfreuen und an den
stolzen Fichten, den trotzigen Eichen und den Buchen, die dann
kommen, bevor der große Kahlschlag beginnt. Ich sehe nur die
Bahn entlang, ob Wild darauf steht und ob ich eine
Menschenfährte antreffe. Hasen spüre ich zweimal, einmal den
Fuchs, mehrfach Rehzeug und zuletzt auch Rotwild, ein altes Tier
und ein Kalb. Zu Blick bekomme ich aber nichts, außer einen
Hasen, der dicht vor mir über den Graben setzt und sofort
entsetzt denselben Weg zurücknimmt.
Am Kreuzgestell bleibe ich unter der
Zwillingsbuche stehen und stopfe mir eine frische Pfeife. Nach
vier Richtungen kann ich von hier aus sehen und weithin, denn
nun ist auch der Mond da. Mir gegenüber in dem Jagen bricht es
leise; dort tritt Wild umher. Ganz hinten über die Hauptbahn
schleicht der Fuchs. Leicht könnte ich ihn zu der Kanzel, die in
die Buche eingebaut ist, heranmäuseln; doch ich mag heute, in
dieser stillen, weißen Nacht, nicht schießen. Auf das
Quergestell tritt ein starkes Reh heraus, sichert eine Zeit,
schlägt dann den Schnee von den Himbeeren, verbeißt sie und
zieht in das nächste Jagen, wo ich es noch eine Weile
herumtreten höre, bis ein morscher Ast, den der Schnee abbricht,
rauschend in die Schießholzbüsche fällt und es verjagt. Ich sehe
es über das Gestell flüchten. Auch mir hat das Gepolter die Ruhe
genommen, und ich gehe auf der Hauptbahn weiter, auf der der
Schnee im Mondlicht flimmert und funkelt, als wäre
Diamantenstaub darüber verschüttet, die von den Schatten der
Fuhren blau gestreift ist.
Wo der Bach die Bahn schneidet, bleibe ich
auf dem Stege stehen und sehe in das Wasser der Furt, das mit
lauter silbernen Ringen spielt und leise murmelt, und nach dem
mächtigen, vierfachen Hülsenbusch, dessen blankes Laubwerk über
und über voller schimmernder Korallen hängt. Just will ich
weiter, da bricht es ganz laut zur Rechten, und drei Stück
Kahlwild treten vor mich hin, verhoffen einen Augenblick und
poltern in die gegenüberliegende Dickung; ich sehe, daß mein
Pfeifenrauch vor mir herweht. Noch einmal bricht es zur Linken,
zieht näher und fährt von dannen. Auch dieses Stück hat Wind von
mir bekommen. Es ist nicht unmöglich, daß es der starke,
geweihlose Hirsch ist, hinter dem ich her bin; doch mir ist es
lieber, wenn er mir heute nicht kommt. Ganz ohne Vorsicht gehe
ich wieder weiter. Jetzt bin ich an der Grenze und sehe die Bahn
hinauf und hinab. Ganz oben bewegt sich ein Schatten im
königlichen Holz. Erst denke ich, es sei ein Stück Wild, dann
erkenne ich, daß es ein Mensch ist, der sich auf dem
Pirschsteige nach mir hin bewegt. Einen Augenblick geht mir ein
peinliches Gefühl über die Brust; es wäre mir nicht recht, müßte
ich heute einen Wilderer stellen. Aber dann habe ich es heraus,
daß es der Forstaufseher ist; die lange, dürre Gestalt und der
echte Waldläufergang sind nicht zu verkennen. Als er auf fünfzig
Gänge heran ist, lasse ich halblaut den Jagdpfiff ertönen. In
demselben Augenblicke verschwindet er hinter einem Stamme und
geht in Anschlag. Ich rufe seinen Namen und nenne den meinigen,
und sofort ist er wieder da, weiß erst nicht, wo er mich suchen
soll, weil das weiße Zeug mich unsichtbar macht, aber dann
gewahrt er mich, kommt lachend auf mich zu und gibt mir die
Hand.
„Auf Wilddiebstreife?“ fragt er. Ich
nicke. „Nichts gespürt?“ Ich schüttele den Kopf und sagte ihm
dann, daß ich vorhin einen Schuß in dieser Ecke fallen hörte.
„Das war ich; ich habe im Jagen Dreizehn einen Marder
geschossen, einen ganz alten. Wollen Sie ihn sehen? Ich habe ihn
in der Köte.“
Ich sage freudig zu, denn nun habe ich
doch Gesellschaft, gute Gesellschaft, denn der lange Möller ist
ein Mann nach meinem Herzen, und da er auch niemand auf der Welt
hat, so passen wir gut zusammen heute. Eine Stunde gehen wir auf
der verschneiten Bahn entlang, dann sind wir am Platze. Bald
brennt der kleine Kanonenofen, und es wird gemütlich in der
Jagdbude, zumal Rotwein und Zucker nicht fehlen, und der frische
Bach Wasser für den Punsch gibt.
Ein Stündchen essen und trinken wir und
reden von Wild und Waidwerk, dann meint Möller, daß er wieder
los muß, und mir ist es auch recht, denn die Wärme und der
Punsch drücken auf die Augen. Das Feuer wird ausgegossen, die
Köte verschlossen, und hinaus geht es abermals in die mondhelle
stille Nacht.
Karl-Heinz Beckmann †
Am 2. Oktober 2007 wurde einer der besten
Löns-Kenner im 59. Lebensjahr von seiner kurzen, schweren und
unheilbaren Krankheit erlöst.
Wir Löns-Freundinnen und Freunde werden
nicht vergessen, welchen Anteil Karl-Heinz Beckmann an der
Arbeit des Hermann Löns-Kreises nahm. Seit dem Jahr 2000 war er
2. Vorsitzender des Verbandes der Hermann Löns-Kreise in
Deutschland und Österreich e.V. Es würde zu weit führen, an
dieser Stelle alle seine Publikationen aufzulisten, die er
insbesondere zu und über Hermann Löns herausgegeben hat.
Wiederholt wurde darüber in den Hermann-Löns-Blättern berichtet.
Hier sei noch einmal auf sein großes Werk hingewiesen: „Hermann
Löns – Sein Werk“, Ascheberg-Herbern 1996, welches für jeden
Löns-Forscher und Löns-Freund unentbehrlich geworden ist. Noch
kurz vor seinem Tod erschien der Band: „Hermann Löns.
Malakologische und naturkundliche Beobachtungen“,
Ascheberg-Herbern 2007.
Seine Schaffenskraft war unermesslich!
Weitere Publikationen zu Hermann Löns und seinem Oeuvre waren
bereits in Arbeit, doch diese Bände werden nun nicht mehr
erscheinen.
Karl-Heinz Beckmann ist nicht mehr. Sein
Name – an sich schon eine Losung – wird allezeit und in alle
Richtungen, wo Löns-Verehrer leben, leuchten. Karl-Heinz
Beckmanns Werk endet nicht mit seinem Abschied von der Erde. Mit
seiner geleisteten Arbeit leben wir weiter, und noch viele
Generationen von Löns-Forschern können auf die gründlich
recherchierten Forschungen zurückgreifen.
Alle, die ihn gekannt haben, werden ihn so
in Erinnerung behalten wie er war: eine zielstrebige
Kämpfernatur! Uns Hermann Löns-Freunden wird er unvergessen
bleiben. Ehre seinem Andenken!
Karl-Rolf Lückel, Bad Berleburg-Girkhausen
Hermann Löns
Winterliche Haidefahrt
„Und ihr, meine Sträuße von wilden Haid‘,
mit lockerem Halme geschlungen,
O süße Sonne, o Einsamkeit,
Die uns redt mit heimischen Zungen,
Ich hab sie gepflückt an Tagen so lind,
wenn die goldenen Käferchen spielen,
Dann fühlte ich mich meines Landes Kind
Und die fremden Schlacken zerfielen.“
Annette v. Droste-Hülshoff
Im Sommer hatte ich die Lüneburger Haide
schon bei Celle, Eschede und Burgdorf, die ich im Auftrage des
„Hannoverschen Anzeigers“ bereiste, kennen gelernt; immer aber
blieb mir eine stille Sehnsucht, meine liebe Haide auch im
Winter kennen zu lernen, und so setzte ich an einen Dezembertag
für diese Reise an.
Ich traf es gut. Als ich des Morgens an
das Fenster trat, kokettierten alle Dächer mit einer glitzernden
Eiskruste und die Ulmen der Straße hatten ihre nackten Zweige
mit zierlichem Rauhreif eingehüllt, ein frischer Wind spielte
mit dem blauen Rauche der Schornsteine Kriegen und die liebe
Sonne fragte mit wohlgefälligem Lächeln, ob mir das Reisewetter
passe. Schnell war ich am Bahnhof; über ein Dutzend
lodengekleideter Waidmänner freuten sich mit mir über den
herrlichen Wintermorgen, der eine schöne Jagd versprach. Die
Unterhaltung drehte sich in den Abteilungen des Wagens nur um
die edle Jägerei und ein sehr blühend aussehender Nimrod, dessen
echter Rucksack wohl mehr vom vielen Proviant als von vieler
Beute singen konnte, war besonders stark in den detailliertesten
Jagdhistorien; sein Gegenüber aber plinkerte mir, den er ja als
„Stenographist“ schon kannte, lächelnd mit den Augen zu und
improvisierte:
„Och Schorse, nemm deck man‘n Acht, dat seck din Prahlen gifft,
dor achter uns dor sitt en Kerel, de allen niederschrifft; dat
kümmt denn in ’n ‚Anzeiger‘ und ward gliek kolportiert, und wenn
de denn nix scheiten hest, Dann hest’e deck blamiert!“
Außer den Jüngern St. Huberti beherbergte
der Wagen noch einen sehr eleganten und sehr redelustigen Herrn
mit Wachstuchpaket, welcher beim Aussteigen auf einer kleinen
Station sich nicht entblödete, der Reisegesellschaft „viel
Glück“! zu wünschen, was ihm einige nicht gerade zärtliche Worte
zuzog und mein Gegenüber veranlaßte, zornig auszurufen:
„Schorse, smit dem Kerel de Wost in’n Nacken!“ Wir passierten
Vinnhorst, hinter dem die Gegend recht kahl aussah, und
Langenhagen, welches mit seinem hübschen Bahnhofe und den noch
in den Windeln liegenden Anlagen viel versprechend aussieht. Ein
Kirchlein erhob sich freundlich grüßend aus dem Orte und noch
freundlicher nickten auf einem schmucken Bauernhofe die
altsächsischen hölzernen Pferdeköpfe, die sich ebenso stur und
steif weiter vererbt haben, trotz Karl dem Großen, wie der sture
Wacholder auf der der Parzellierung verfallenen Haide. Bei
Station Kaltenweide wäre ich am liebsten aus dem Zuge
gesprungen, um sofort durch die wunderbar blitzende, bereifte
Haide dem „Muswiller See“ im „Wilden Moore“ zuzueilen. Aber das
ging leider nicht und so mußte ich mich mit den herrlichen
Landschaftsbildern vom Koupeefenster aus begnügen, mit den
versilberten Fiedergewächsen, welche aus blaugefrorenen Teichen
zierlich sich emporhoben, mit den verschiedenartigen Gehölzen,
die sich jedes nach seinem Geschmack verschiedenes Pelzwerk
ausgesucht hatten. Mit geringer Abwechslung, bald hügelig, bald
flach, bot sich bei Bissendorf, Mellendorf und Bennemühlen immer
dasselbe großartige, silberumsponnene Haidelandschaftsbild. Bei
Hope eilten zwei hübsche Bauernmädchen mit Backen wie
Weihnachtsäpfel an den Zug heran und beförderten mit lustigem
Gekicher zwei Briefe, nach den Mienen zu urteilen, an die
Liebsten. In Schwarmstedt hielt der Zug etwas länger und im
blanken Sonnenschein leuchtete der Bahnhof und Heines Hotel
recht freundlich. Dann rollten die Wagen über die Allerbrücke,
unter welcher der blaue Fluß sich behäbig durchschob, ein großer
Durchlaß überspannte weitausgedehnte, überschwemmte Wiesen, die
Gegend wurde wieder hügelig, Eickeloh mit der niedlichen Kirche
kam in Sicht, auf den Hügeln wehten die Maibäume, lustig mit den
zarten silbergekleideten Zweigen, um Riethagen zeigten sich
weite Wiesen, Tümpel mit schillernden Eisdecken, Gräben und
Sümpfe, daß der Ort seinen Namen mit Recht verdient, und ließen
in mir den Plan entstehen, hierher im nächsten Frühjahr einen
Ausflug zu machen und Prachtboukets mit heim zu bringen. Bei
Beetenbrück bekam ich Gesellschaft; ein Bauer und ein sehr
gemütlicher Gendarm stiegen ein.
Beide nach Kräften beflissen, mir alle
meine Fragen über Häuser und Gegend zu beantworten. In Walsrode
überlegte ich, ob ich hier meine Fahrt unterbrechen sollte: die
reizende Lage der Stadt mit ihrem Flußtale, ihren Fabriken, der
schönen Waldung und den Hügeln zog mich mächtig an, aber da man
nicht wissen kann, was passiert, so dampfte ich dem Ziele meiner
Reise zu. Trotzdem die Sonne recht tüchtig auf die weiße Haide
niederschien, so ließ diese sich ihren Schmuck sobald nicht
nehmen, so daß ich auch noch den Rest der Fahrt denselben
köstlichen Anblick behielt.
Deutsche Bestseller im 20. Jahrhundert
In der von Donald Ray Richards 1968
vorgelegten Studie „The German Bestseller in the 20th Century. A
Complete Bibliography und Analysis 1915-1940“ sind nach
Auflagenhöhe von Löns Der Wehrwolf auf Platz 8, Das
zweite Gesicht auf Platz 23 und Mümmelmann auf Platz
36 verzeichnet. Der Sinn solcher Listen kann natürlich immer in
Frage gestellt werden, sie zeigen aber durchaus Tendenzen auf.
So kann man jedenfalls sagen, dass das Werk von Löns hohe
Auflagen erzielt hat und er einer der wenigen Autoren ist, der
mehrfach in der Liste erscheint.
Geza
Postkarte von Hermann Löns
Dem Löns-Verband ist eine Fotokopie einer
Postkarte zugegangen, die an Rektor Johs. Pasig in Berge
adressiert ist. Der Text lautet (soweit lesbar):
Sehr geehrter Herr Rektor,
der „alte Wegweiser“ ist angenommen. Ihre Beiträge sind uns
stets lieb.
Hochachtungsvoll
Hannover, 10. Nov. 99. Eichstr. 6.
H. Löns
Die Postkarte ist deshalb interessant,
weil auf dem Vordruck Hermann Löns und Friedrich Freudenthal als
Redakteure der „Illustrierten Halbmonatsschrift Niedersachsen“
aufgeführt sind. Von 1898 bis März 1900 nahm Löns diese
Tätigkeit wahr.
Vor ca. 100 Jahren:
Hermann Löns und sein umweltpädagogisches
Wirken
zum Schutz der heimischen Herpetofauna
Hermann Löns (1866-1914) war nicht nur ein herausragender
Heimat- und Tierdichter, sondern auch ein guter Kenner der
niedersächsischen Tierwelt und einer der ersten Naturschützer in
Deutschland (Klein, 1986). So war er nach Beckmann (1988) ein
bedeutender westfälischer Malakologe (Weichtierforscher) und
hatte seine zoologischen Schwerpunkte daneben besonders in der
Säugetier- und Vogelkunde, die er auch in zahlreichen
belletristischen Skizzen z. B. in „Mümmelmann“ (1909) und „Was
da kreucht und fleucht“ (1909) darstellte. Daß er daneben einige
kurze Erzählungen mit herpetologischem Inhalt verfaßt hat und
sich schon 1909 für den Schutz dieser „Ekeltiere“ stark gemacht
hat, dürfte den heutigen Lesern weitestgehend unbekannt sein.
Deshalb seien seine Texte mit herpetofaunistischen Skizzen hier
kurz vorgestellt.
Die Erhaltung der Tierwelt (Löns, 1909)
Dieser Vortrag ist 1909 als 11-seitige Flugschrift des
Dürer-Bundes zur ästhetischen Kultur Nr. 45 erschienen und 1924
in dem Nachlaßband „Für Sippe und Sitte“ (Löns 1924)
nachgedruckt worden. Er zählt neben dem 1911 gehaltenen Vortrag
„Der Naturschutz oder die Naturschutzphrase“ (Klein, 1986) und
den ebenfalls in obigem Nachlaßband gesammelten Aufsätzen „Der
Schutz der Heimat“, „Der Harzer Heimatpark“ und „Naturschutz ist
Rasseschutz“ zu seinen wichtigsten Naturschutztexten.
Zwar nahmen in der Flugschrift die Gefährdung der heimischen
Vogel- und Säugetierwelt den größten Raum ein, doch Löns hat
auch eine treffende Charakterisierung der heute noch teilweise
zutreffenden Gefährdung der heimischen Herpetofauna gegeben und,
wohl auch als einer der Ersten, einen
umweltpädagogischen Schutzvorschlag gemacht: „Trauriger noch,
als mit unserer Vogelwelt, steht es mit den Kriechtieren und
Lurchen. Unsere unschädlichen Schlangen, die glatte Natter und
die Ringelnatter, werden über kurz oder lang bei uns
ausgestorben sein. Einmal werden sie totgeschlagen,
wo sie sich sehen lassen, weil man sie immer mit der Kreuzotter
verwechselt. Hier muss die Schule einsetzen, und in jeder Klasse
müßten gute, mit Erläuterungen versehene Abbildungen unserer
Schlangen hängen.
Dann aber sorgen die Aquarien- und Terrarienhändler gründlich
für die Ausrottung unserer Schlangen und Eidechsen. Es ist kaum
glaublich, was in Hannover allein jährlich zusammengefangen und
an Dilettanten, die die Tierchen meist verkommen lassen,
verkauft wird. Der Aquarien- und Terrariensport ist zum großen
Teil nichts wie eine sinnlose Faunenausräuberung, die es fertig
gebracht hat, daß rund um Hannover die hübsche Zauneidechse, die
harmlose Blindschleiche und der niedliche Laubfrosch fast oder
ganz ausgerottet sind. Vor zehn Jahren hörte man im Mai überall
die Laubfrösche meckern, heute hört man nur noch selten einen in
der Nähe der Stadt.
Auch der prächtige Salamander wird in solchen Mengen in unseren
Bergwäldern fortgefangen, dass er von Jahr zu Jahr seltener wird
und bald vielleicht ganz verschwunden ist.
Jeder dritte Junge, auch der, der kein inneres Interesse daran
hat, schafft sich ein Terrarium an, quält darin die
unglücklichen Insassen, und läßt sie schließlich halb tot
irgendwo, wo sie keine Existenzbedingungen finden, laufen.
Ebenso wird mit den Wassermolchen verfahren. In jedem Frühling
wird jeder Tümpel nach ihnen abgekätschert. Tausende und
Tausende dieser harmlosen Tierchen werden in die Stadt
geschleppt und in unzweckmäßiger Weise gehalten, bis sie
entweder verhungern oder den Kindern langweilig werden, um dann
fortgeworfen zu werden.
Hier könnte die Schule sehr gut wirken, indem sie einmal die
Kinder auf das Schädliche dieses Sammelunfugs aufmerksam macht,
dann aber auch durch die Anlage zweckmäßig eingerichteter
Aquarien und Terrarien in den Schulen, wie es hier und da schon
geschieht; auch die Aquarien- und
Terrarienvereine sollten sich bemühen, in dieser Angelegenheit
erzieherisch zu wirken. Wird nicht auf irgendeine Art dem
Sammelunfug Einhalt getan, so bleibt von unserer ganzen
Amphibien- und Reptilienfauna weiter nichts übrig als Gras- und
Wasserfrosch, Erdkröte und Kreuzotter.“
Die vier genannten Arten diskriminierte Löns allerdings dann
später im Text als „Tierproletariat“; dies aber wahrscheinlich
wohl nur, um den „Wert“ der selteneren gefährdeteren Arten zu
erhöhen und ihnen mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Der zweckmäßige Meyer (Löns, 1911)
Auch in diesem „schnurrigen Buch“ sind mit „Ein Naturfreund“,
„Die Forscher“ und „Quaaks“ einige belletristische Skizzen mit
herpetologischem Inhalt enthalten, worin Löns ebenfalls, aber
diesmal auf humorvolle Art und Weise, Umweltpädagogik betreibt.
In „Ein Naturfreund“ persifliert Löns in
amüsanter Weise die allerdings tragische Gefährdung der
Herpetofauna durch einen so genannten Naturfreund, der
Laubfrösche, Berg-, Kamm-, und Fadenmolche, Eidechsen und
Feuersalamander zum Nebenverdienst sammelt, um sie dann an
Händler zu verkaufen. Auch beschwert er sich, daß es immer
weniger Lurche würden und er immer weiter fahren müßte, um
welche zu finden und daß Schuljungs durch ihre Sammelei ihm das
Geschäft vermasseln würden.
Löns‘ Schilderungen in der Erzählung über
die Gras- und Moorfrösche sind ebenfalls köstlich:
„...während in dem vertrockneten Schilfe
die Grasfrösche sich dem Fortpflanzungsgeschäfte hingaben und
dabei derartig murrten, als sei ihnen diese Tätigkeit auf das
äußerste zuwider, was nachweislich nicht der Fall ist.“
„Die Liebe hatte ihm nicht nur die
Hautstruktur verändert, so daß er so blau aussah wie Steinöl,
das in der Sonne steht, sondern ihm auch den Verstand getrübt,
und so merkte er erst, als ich ihn zwischen den Fingern hielt,
daß er einen dummen Streich begangen hatte. ...und als ich ihm
mit Daumen und Zeigefinger um die Taille faßte, schienen süße
Erinnerungen in seinem Gehirn Form anzunehmen, denn er erhob ein
zärtliches Schnurren.“
In „Die Forscher“ beschreibt Löns
humorvoll die abenteuerliche Tümpelfahrt der Kinder August
Dusendahl, Heinrich Fricke, Aadje und Zieschen Schlöber, die
durch den Fang eines wunderschönen Bergmolchs und eines großen
Kammmolchs belohnt wird.
Hatte Löns in „Mümmelmann“ dem Feldhasen
ein literarisches Denkmal gesetzt, so ist ihm das mit „Quaaks“
für den Teichfrosch Rana esculenta gelungen, der in eine als
Gartenteich fungierende ebenbündig in den Boden eingelassene
Zinkwanne einwandert. Hier beschreibt Löns in seiner bekannten,
humoristischen Manier den Jahresverlauf dieser Grünfroschart,
die sich schließlich an einem zu großen Regenwurm verschluckt
und eingeht.
Aus pädagogischer Sicht weist Löns hier
noch auf den Unfug hin, weitere Amphibienarten wie Laubfrosch,
Knoblauchkröte oder Grasfroschkaulquappen in einen kleinen
Gartenteich zu setzen, da der gefräßige Grünfrosch diese
allesamt verspeist.
Fazit: Löns 2006
Zwar zählt das Wegfangen von Amphibien
heute nicht mehr zu den wesentlichen Gefährdungen der heimischen
Herpetofauna, doch ist der Löns’sche Ansatz, durch
Schulterrarien und Terrarienvereine Kindern und Jugendlichen
Amphibien und Reptilien näher zu bringen heute noch genauso
aktuell wie vor 100 Jahren. Nur ist es aufgrund der strengen
naturschutzrechtlichen Bestimmungen heute kaum möglich, ohne
großen Schriftaufwand heimische Amphibien und Reptilien zu
zeigen, so dass die Lehrerschaft eher auf exotische Amphibien
und Reptilien ausweicht. Ein Schulteich könnte auch hier Abhilfe
schaffen.
Wurden in den 80er- und 90er-Jahren noch
zahlreiche Amphibien für den eigenen Gartenteich gefangen, so
ist es heute schon eine absolute Seltenheit, einmal Kindern zu
begegnen, die Frösche, Kröten oder Molche fangen, da diese wohl
lieber vor dem PC oder der Glotze hocken. Eine bedauerliche
Entwicklung, da man nur das schützen wird, was man auch kennt.
Deshalb ist auch nach 100 Jahren Hermann Löns nach wie vor
aktuell und jedem an der Herpetologie, Terrarienkunde und
Umweltpädagogik Interessierten wärmstens zu empfehlen.
Detlef Münch
Wege eines Löns-Manuskripts
Das Fahrrad war es, was mich auf die Spuren von Hermann Löns
brachte. Seit Jahren interessierte ich mich nicht nur für
historische Fahrräder, sondern auch für die Geschichte des
Fahrrades mit seinen vielfältigen Facetten. Auch der historische
Radsport begeisterte und begeistert mich.
In einem Antiquariat entdeckte ich vor längerer Zeit das „Buch“
eines Radsportfans, der ab etwa 1900 Berichte über Radsportler
und Radsportereignisse gesammelt und darin eingeklebt hatte,
ergänzt mit Fotos, Autogrammkarten, Programmhinweisen usw. Ein
äußerst interessanter und informativer Fund. Ein
Zeitungsausschnitt fand mein besonderes Interesse, obwohl dessen
Inhalt nicht dem Radsport galt. „Auf dem Rade durch die
Eilenriede“, war der Text über- und mit „H.L.“ unterschrieben.
Flott getextet und hübsch zu lesen, dachte ich. Man sah sich
förmlich durch den Stadtwald flitzen und freute sich über die
Schilder der Gaststätte am Ausflugsziel, auf denen witzige Texte
standen wie: „Man schmiert sich und die Kniegelenke, am besten
in der Mühlenschenke“.
Erst später wurde mir klar, wer der Autor des Berichtes war. Da
war mir „H.L.“ schon in anderen Artikeln begegnet, unter anderem
in Texten zum „1. Großen Preis der Stadt Hannover“, Deutschlands
erstem großen internationalen Radrennen auf der hannoverschen
Radrennbahn. Löns hatte es initiiert und viele mal wurde in den
Tageszeitungen über Pro und Contra, über die Vorbereitungen,
über die anreisenden Rennfahrer und später über die Rennen
berichtet.
Mir wurde bald klar, daß Hermann Löns einer der ganz frühen
Fahrradfans war, der seinen Drahtesel liebte und ihn gerne jeden
Tag bewegt hätte in der Zeit, als das Fahrrad populär wurde. Und
Löns war außerdem einer, der über das Radfahren zu schreiben
verstand. Viele der zahlreichen Texte des Redakteurs wären ohne
sein Stahlroß nicht möglich geworden. Er wäre zu Fuß gar nicht
an die Orte gelangt, die er beschreib. Mich begeisterten
außerdem seine hervorragenden Berichte von Radrennen und über
Radsportler.
Nun war ich – Radfahrer, Radsportler, heimatverbunden und aus
der Heide stammend – „heiß“ auf Löns. Ich erstand entsprechende
Literatur, was heute per Internet ein Kinderspiel ist und
durchforstete sie nach Fahrradhinweisen. Das Ergebnis übertraf
meine kühnsten Erwartungen. Inzwischen hatte ich auch einige
Lönsexperten kennen- und schätzen gelernt. In Hannover war es
Dr. Helmut Prilop, während seiner Berufsjahre Leiter der
Stadtbibliothek in der Hildesheimer Straße und somit
verantwortlich für die Löns-Bestände und nach seiner
Pensionierung rund um die Uhr in Sachen Löns tätig, sowie
Karl-Heinz Beckmann, Ascheberg-Herbern, den leider viel zu früh
verstorbenen Löns-Sammler und herausragenden Löns-Spezialisten.
Beide beantworteten bereitwillig meine Fragen und Dr. Prilop
versorgte mich zusätzlich mit Löns-Artikeln früherer
hannoverscher Tageszeitungen und verschiedener Zeitschriften.
Die mir zur Verfügung stehenden Texte hatte ich inzwischen be-
und verarbeitet mit dem Ziel, sie in einem Buch zu
veröffentlichen.
Bei meinen Recherchen erfuhr ich auch, daß Löns eine
Firmenschrift für die „Deutschland Fahrradwerke August
Stukenbrok“ in Einbeck verfaßt hatte. Dieser Text, Löns schrieb
ihn am 10.10.1910, war veröffentlicht worden, allerdings ohne
den Text zur „Geschichte des Fahrrades“ (Dr. E. Plümer: „Die
Deutschland-Fahrradwerke August Stukenbrok zu Einbeck“,
Herausgeber Stukenbrok-Museum der Stadt Einbeck, 1982). Gerade
den fehlenden Text hätte ich gerne erstveröffentlicht und so
wandte ich mich an das Stadtmuseum in Einbeck, in der Hoffnung,
daß das Manuskript dort zu finden ist, schließlich hatte man ja
dort die übrigen Texte veröffentlicht. Aber, das Manuskript ließ
sich nicht finden. Inzwischen zeigte sich auch K.-H. Beckmann an
einer Kopie interessiert. Das spornte meinen Ehrgeiz noch
zusätzlich an.
Parallel zur Suche nach dem Manuskript hatte ich mich als
Fahrradhistoriker mit der August-Stukenbrok-Geschichte befaßt.
Stukenbrok war in ganz Deutschland bekannt geworden als
„Versender“. Mit einem enormen Werbeaufwand und bis zu 400
Seiten umfassenden Katalogen in einer jährlichen Auflage bis zu
500.000 Stück lieferte er seinen zahlreichen Kunden Waren ins
Haus, Fahrräder und Dinge des Haushalts und der Freizeit. 1914,
zu seinem 25jährigen Bestehen, hatte er insgesamt 250.000
Fahrräder verkauft, eine gigantische Zahl, wenn man den
Zeitpunkt seiner Verbreitung und die damaligen
Bevölkerungszahlen berücksichtigt.
Bekannt war, daß Stukenbroks einziges Kind, die Tochter Hertha,
nach dem Tod August Stukenbroks 1930 und dem Konkurs der
„Deutschland-Fahrradwerke“ 1931 in Hannover wohnte und dort 1936
den Schriftleiter Hans Bindert heiratete. Dann verlor sich nach
mehreren Umzügen, die noch verfolgt werden konnten, die Spur
Hertha Binderts im Ungewissen.
Daß dann meine zunächst erfolglosen Nachforschungen doch noch
Früchte tragen sollten, ergab sich im Oktober 2007. Und das kam
so: Das Ehepaar Renate und Frank Bindert aus Hannover hatte sich
mit Frau Dr. Heege, Leiterin des Stadtmuseums in Einbeck
verabredet. Binderts interessierten sich für Fotos von der
Stukenbrok-Tochter Hertha, weil eine entfernte Verwandtschaft
bestand zum Oberst a. D. Hans Bindert, dem Ehemann von Hertha
Stukenbrok. Bei diesem Gespräch erzählten die Binderts, daß sie
einige Dinge aus dem Stukenbrok-Nachlaß besäßen, wozu auch eine
Löns’sche Handschrift zur Stukenbrok-Firmengeschichte gehört
habe. Diese hätten sie aber inzwischen an die Stadtbibliothek
Hannover mit ihrem umfangreichen Löns-Archiv abgegeben. Frau Dr.
Heege erinnerte sich an meine Suche und informierte mich sofort.
Dann ging alles ganz schnell. Anruf bei Dr. Prilop, Verweis auf
den für das Löns-Archiv zuständigen Bibliothekar Detlef Kasten,
Anruf mit der erfolgreichen Bitte um Kopien, transkribieren der
Vorlage, Korrekturlesen mit Dr. Prilop, fertig. Nun liegt dieser
fehlende, und auch aus heutiger Sicht noch interessante
Löns-Text vor. Er beginnt auf Seite 6 und endet auf Seite 12 des
Manuskripts.
Interessant ist, wie das Löns-Manuskript zu den Binderts nach
Hannover gelangte. Nach dem Tode ihres Vaters August Stukenbrok
– die Mutter war schon früher gestorben – war Hertha Stukenbrok
einzige Erbin. Deshalb gingen trotz der Pleite eine Reihe
persönlicher Dinge in das Eigentum von Hertha über. Hertha
Bindert zog mit ihrem Mann einige Male um und starb im August
1945 in Högersdorf, Kreis Segeberg. Der Stukenbrok-Nachlaß war
nun im Besitz ihres Mannes Hans Bindert. Oberst a.D. Bindert zog
nach dem Tode seiner Frau zu seiner unverheirateten Schwester
nach Kappel/Freiburg. Als Bindert 1966 starb, erbte seine
Schwester Erika Bindert den Nachlaß. Sie verstarb 1980.
Da sowohl Hertha und Hans Bindert als auch dessen Schwester
kinderlos waren, ging die Erbschaft über an den Bindert-Cousin
Heinrich Bindert in Hannover. Der starb 1992, seine Ehefrau 15
Jahre später. Ihr Tod im Jahre 2007 machte den Sohn Frank
Bindert sowie dessen Brüder zu Erben. Auf diesem Weg hat also
auch das Löns-Stukenbrok-Manuskript – neben einigen anderen
persönlichen Stukenbrok-Erinnerungsstücken – den Weg endgültig
zurück nach Hannover gefunden, wo Hermann Löns diesen Text auch
geschrieben hat. Daß die Lönsoriginale nun ins Lönsarchiv der
Stadtbibliothek Hannover gelangten, ist einem dieser kleinen
Glücksfälle zu verdanken, die häufig Sammlungen
vervollständigen, sowie dem Weitblick und der Großzügigkeit von
Renate und Franz Bindert. Darüber freuen sich die
Verantwortlichen der Stadtbibliothek ebenso wie zahlreiche
Lönsfreunde und besonders auch der Verfasser, dessen Buchtexte
nun komplett sind.
Walter Euhus, Langenhagen
Löns-Literatur von Dr. Rudolf Berndt
Von den Erben verstorbener Mitglieder werden uns immer mal
wieder
Bücher von und über Hermann Löns überlassen. Auch Herr
Hans-Helmut
Berndt aus Cremlingen-Weddel hat uns insgesamt 35 Bücher aus dem
Nachlass seines verstorbenen Vaters, Herrn Dr. Rudolf Berndt,
geschenkt
(u.a. Beiträge zur Landesfauna von H.L., Sonderdruck aus dem
Jahrbuch
des Provinzial-Museums zu Hannover 1906). -
Dr. Berndt war ein großer Löns-Verehrer und Mitglied unseres
Vereins von
Anfang an. Nach dem Kriege hatte er den Naturschutzbund (NABU),
Bez.-Gruppe Braunschweig (früher Bund für Vogelschutz), gegründet.
Als
Biologe und Ornithologe war er besonders davon angetan, dass
Löns als einer
der ersten die Wichtigkeit des Schutzes der Natur erkannte, als
noch keiner
davon sprach.
Im Namen des Löns- Verbandes danke ich Herrn Berndt herzlich.
Monika Seidel
Neuerscheinungen
Hermann Löns:
Brockengeheimnisse.
Erzählungen aus dem Harz.
Nicht nur für Harzbesucher, sondern auch für Lönsfreunde ist es
zu begrüßen,
dass Detlef Meyer ein neues Löns-Buch vorgelegt hat. Meyer hat
hier
die schönsten Harz-Erzählungen von Hermann Löns
zusammengestellt.
Das Büchlein enthält so bekannte Schilderungen wie „Die bunte
Stadt am
Harz“ oder „Brockengeheimnisse“. Aber auch weniger bekannte
Schilderungen wie „Die Brockenfahrt der Elektrotechniker“ oder
„Mehr
Schutz für den Brocken“ findet der Leser in der neuen
Publikation.
16 Schilderungen und ein Gedicht von Hermann Löns sind hier zu
einem
empfehlenswerten Buch vereint. Das 116 Seiten umfassende Werk
ist im
Text mit typischen Fotos aus der Harzregion unterlegt, dem
Vorwort steht
das bekannte Foto „Hermann Löns mit Drilling und Fernglas“
voran. In keinem
Bücherschrank mit Lönsliteratur sollte dieses lobenswerte
Bändchen
fehlen, und so ist es für den natur- und
landschaftsinteressierten
Harzwanderer unentbehrlich und ein unterhaltsamer Begleiter.
Auch wenn es als BOD-Buch publiziert wird, so ist es über jede
Buchhandlung bestellbar.
Karl-Rolf Lückel
Hermann
Löns: Brockengeheimnisse. Erzählungen aus dem Harz. Ausgewählt von
Detlef Meyer, Norderstedt 2007 (Books on Demand). 9,80
€. ISBN 978-3-8370-0364-2.
Edmund Löns:
Heidewachtel.
Kleiner Münsterländer Vorstehhund
oder Spion.
Edmund Löns, 1880 als jüngerer Bruder des
Heidedichters Hermann Löns geboren, hat mit seinem
heimlichen Zuchterfolg den Grundstein für die
Braunschimmelzucht (Kleine Münsterländer) gelegt.
Sein Standardwerk „Heidewachtel“ von 1922
wurde jetzt neu aufgelegt. Es wurde erweitert mit
einer Biografie sowie einem Zusatzkapitel einer
früheren Weggefährtin von Löns, Frau Elisabeth
Böhmer, die die wahren Hintergründe von Löns’
Braunschimmelzucht aufdeckt. Löns stellte ihr frei,
sein Vermächtnis zu wahren und zu geeigneter Zeit
zu veröffentlichen. Zu Lebzeiten scheute er die
Querelen um züchterische Streitfragen. Dieses Buch ist damit ein
wertvolles
kynologisches Zeitdokument und ergänzt in idealer Weise die
aktuelle
Literatur über den Kleinen Münsterländer Vorstehhund.
Edmund
Löns: Heidewachtel. Kleiner Münsterländer Vorstehhund oder
Spion. 110
Seiten, 51 s/w-Abbildungen, Hardcover. Verlag
Neumann-Neudamm, 19,95 Euro. ISBN 978-3-7888-1173-0.
CD Hörbücher
Teil 1.
Hermann Löns:
Geschichten und Naturschilderungen aus der
Lüneburger Heide
Hermann Löns‘ Naturschilderungen dürfen als einmalig angesehen
werden,
er verniedlicht die Natur nicht, sondern beobachtet sie mit dem
scharfen
Blick des Jägers. Gleichzeitig werden von ihm mit einem selten
gewordenen
Einfühlungsvermögen die Tier- und Pflanzenwelt beschrieben. Er
betrachtet
die Natur gleichzeitig sowohl realistisch als auch voll
poetischer
Empfindung und das verleiht seinen Schilderungen einen
unerhörten Reiz.
In der Erzählung „Die beiden Höfe“ zeigt er sich z. B. als
weltmännischer
Realist und gibt der bewährten Tradition den Vorzug gegenüber
ideologisch
geprägter Neuerung. Auf der CD spricht Michael Will folgende
Texte: 1.
„Der Schäferkönig“, 2. „Es steht die Welt in Blüte“, 3. „Die
beiden Höfe“,
4. „Das rosenrote Land“, 5. „Der einsame Wisent“, 6.
„Sommerboten und
Sonnenkinder“ und 7. „Das taube Tal“.
Hermann
Löns, Teil 1: Geschichten und Naturschilderungen aus der
Lüneburger Heide.
Maintal-Verlag 2005. Gesamtspieldauer: 72,78 Min., Artikelnummer
1002.
6,90 € + Versandkosten, Bezug bei: Maintal-Verlag,
Kronacher Straße
37, 96215 Lichtenfels, Tel./Fax 09571/946010, e-mail:
info@maintal-verlag.de
Teil 2.
Hermann Löns:
Geschichten und Landschaftsschilderungen aus
Niedersachsen
In dieser CD kann der Hörer mit den Worten des Journalisten Löns
diverse
Orte und Stimmungen erleben. Er führt ihn an das Steinhuder Meer
oder in
den Harz. Beim Lesen der Erzählungen „Unter dem
Schornsteinkleid“ kann
man träumen oder bei „Duodez“ Spott genießen oder in
„Die Zeit
der schweren Not“ den Naturkenner erleben. Löns gibt dem Hörer
die Liebe
zur Heimat und die Achtung vor der Schöpfung zurück. Beim
„Krähengespräch“ kommt Sprecher Michael Will trotz der
Verwendung von
Dialekten allerdings nicht an die Qualität des in ganz
Norddeutschland bekannten
Rezitators Hermann Wiedenroth heran. Im Rahmen der Löns-Woche 2005 konnte das Publikum
Wiedenroths Vortragskünste bewundern.
Auf der
CD spricht Will folgende Texte: 1. „Der Strand“, 2. „Der
Märchenwald“, 3.
„Krähengespräch in Hannover“, 4. „Die Zeit der schweren Not“, 5.
„Duodez“, 6. „Das Steinhuder Meer“, 7. „Höret“, 8. „Harzträume“
und 9.
„Unter dem Schornsteinkleid“.
Hermann
Löns, Teil 2: Geschichten und Landschaftsschilderungen aus
Niedersachsen. Maintal-Verlag 2005, Gesamtspieldauer: 74,08
Min.,
Artikelnummer 1003, 6,90 € + Versandkosten, Bezug: wie zuvor.
Aus den Löns-Kreisen
Hermann-Löns-Kreis Lüneburger Heide
Doose als Vorsitzender bestätigt
„Wir wollen sein Andenken hochhalten, seine Werke lesen und
darüber
sprechen“, so die Worte der pensionierten Realschullehrerin Ellen
Kopp, die
vor 40 Jahren dazu aufgerufen hatte, eine regionale Untergruppe
„Lüneburger Heide“ der Löns-Freunde Deutschland und Österreich
zu bilden.
Auf der Jahreshauptversammlung des Löns-Kreises Lüneburger Heide
wurde
der komplette Vorstand mit Wolfgang Doose, Gertrud Johannes und
Ingeorg Stadie wieder gewählt. Als neuer Kassenprüfer wurde
Joachim
Westphal hinzugewählt.
Der wiedergewählte Vorsitzende Wolfgang Doose ließ die letzten
40 Jahre
Löns-Bewegung in der Heide anhand von Unterlagen,
Zeitungsausschnitten
und Fotos noch einmal Revue passieren.
Zu besonderen Ehren kam dabei in Abwesenheit noch einmal
Walsrodes
früherer Stadtdirektor Dr. Ernst Wilhelm Busemann. Dieser hatte
es verstanden,
berichtete Doose, die hiesige Löns-Bewegung, die in zwei Gruppen
zerfallen war, mit großem diplomatischen Geschick wieder zu
vereinen.
Doose wies aber auch darauf hin, dass der fehlende Nachwuchs ein
großes
Problem sei. Wenn es nicht gelinge, das bedeutende und
vielseitige Werk
von Hermann Löns in spannender Art und Weise wieder in die
Schulen zu
tragen, werde die Löns-Bewegung zukünftig abnehmen.
Verein „Heimat, die Heide blüht“, Uelzen
Volkstümlicher Nachmittag am 28.10.2007 in Uelzen
Der Heimatverein „Heimat, die Heide blüht“ lud am 28. Oktober
wieder zu
einem Volkstümlichen Nachmittag ein. Nach den Grußworten von
Landrat
Dr. Theodor Elstner, Jörg Hillmer, MdL, und Heidekönigin
Henrieke
Drengemann aus Westerweyhe wurde zunächst dem 100. Geburtstag
von
Friedrich Tewer gedacht, dem Dichter des Uelzener
Uhlenköperliedes. Sohn
Ekkehard Tewer, zugleich 1. Vorsitzender von „Heimat, die Heide
blüht“,
ging in seiner Würdigung auf einen Fundus von 89 Gedichten und
zahlreichen
musikalischen Werken ein, zitierte beispielhaft das Gedicht
„Sonnenschein“ und interpretierte die von Friedrich Tewer
hinterlassene
Originalfassung des Uhlenköperliedes, das unter der Begleitung
von Ingo
Zittlau gemeinsam gesungen wurde.
Danach sang der „Original Falsche Heino“ (1. Preisträger der
Heino-Imitatoren von 1986) das Löns’sche „Auf der Lüneburger Heide“,
„Wenn
abends die Heide träumt“ und andere.
Die Oer-Li-La Blasmusikanten brachten Melodien zum Schunkeln
mit. Ihr
Höhepunkt war ein Niedersachsenmedley, beginnend mit der
Hannoverschen Fanfare, dem Niedersachsenlied und abermals der
„Lüneburger Heide“.
Nach der Pause erfreute der Shanty-Chor „Die Helgoländer Jungs“
mit
Seemannsliedern das mitsingende Publikum.
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