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Hermann-Löns-Blätter,
Heft 1 / 2007
(auszugsweise, ohne Bilder)

Inhaltsverzeichnis
Einladung zur
Hermann-Löns-Woche 2007
Wolfgang Brandes: Zur
Lektüre von Hermann Löns‘ „Der Wehrwolf“
Olivier Thiébaud:
Auf der Suche nach sich
selber oder Meine Beziehungen zu Hermann Löns
Buchkurzbesprechung:
Olivier Theobald: „Lesebuch I“
Österreichischer
Hermann-Löns-Kreis:
Vortrag über Löns
Hermann-Löns-Kreis
Lüneburger Heide: Veranstaltungsprogramm
2007
Buchrezension:
Hermann Löns: „Autographen-Verzeichnis II“
Buchrezension:
Burkhard Winsmann-Steins: „Mit den Augen des Jägers“
Buchrezension: Beiträge
zur Jagdgeschichte: „Jagd in der Lüneburger Heide“
Einladung zur Hermann-Löns-Woche 2007 (27.
8. - 2. 9. 2007)
Die traditionelle Löns-Woche findet immer
in der Woche des Geburtstages (29. August) des Dichters statt.
Im Jahre 2007 beginnt sie am 27. August und endet am 2.
September. Löns wäre 141 Jahre alt geworden. Bitte merken Sie
sich schon folgende Termine vor:
Sonnabend, 1. September 2007,
Heidemuseum
15.00 Uhr, Jahreshauptversammlung; 16.00
Uhr, Bücherbörse
19.30 Uhr, Löns-Abend
Sonntag, 2. September 2007, Löns-Grab
15.00 Uhr, Feierstunde
Als Festrednerin konnte Silke Lorenz,
Bürgermeisterin der Hermann-Löns-Stadt Walsrode, gewonnen
werden. Weitere Informationen mit Einladung zur
Jahreshauptversammlung werden in Heft 2/2007 abgedruckt.
Die Veranstaltungen des Löns-Kreises
Lüneburger Heide finden Sie unter der Rubrik „Aus den
Löns-Kreisen“ dieses Heftes.
Ihre Monika Seidel, 1. Vorsitzende
Zur
Lektüre von Hermann Löns‘ „Der Wehrwolf“
Heimatliteratur aus dem Bereich der Lüneburger Heide wird auch
90 Jahre nach seinem Tod immer noch vor allem mit Hermann Löns
(1866-1914) in Verbindung gebracht. Er ist als
„Heidedichter“ derart prominent, dass er sich als touristisches
Markenzeichen eignet und die Scheunenrocker mit ihrem Titel
„Hermann Löns - die Heide brennt“ vor einigen Jahren sogar die
Hitparaden erobern konnten. Andererseits wird Löns‘ bekanntester
Roman „Der Wehrwolf“ häufig herangezogen, um eine vermeintliche
Rechtslastigkeit von Heimatliteratur nachzuweisen: Der Kampfruf
der Wehrwolf-Bauern „slah doot, slah doot, all doot, all doot,
all dooot!“ (S. 185)
wird als Beleg für die Verherrlichung der Gewalt genommen und
die an der Kapelle (S. 147) und an einem Hofgebäude (S. 190)
angebrachte Hausmarke von zwei übereinander liegenden
Wolfsangeln als Vorform des Hakenkreuzes gedeutet. Löns‘ Roman
wird vorgehalten, präfaschistisches Gedankengut verbreitet zu
haben, wie es von den Partisanenkämpfern der „Werwolf-Bewegung“
am Ende des Zweiten Weltkrieges wieder aufgenommen worden sein
soll.
Während
Hermann Löns mit seinen Naturschilderungen heute als einer der
Vorläufer der ökologischen Bewegung gilt, während seine Lieder
zwar als sentimental eingestuft, nichts desto weniger aber noch
viel und gern - und das nicht nur „Auf der Lüneburger Heide“ -
gesungen werden, während die satirischen Sonntagsplaudereien des
„Fritz von der Leine“ als liebenswerte Eulenspiegeleien zu
herzhaftem Lachen reizen, hat es „Der Wehrwolf“ schwer,
unvoreingenommen gelesen zu werden. Aber gerade das sollte getan
werden, denn wo ließen sich Leistung und Schwäche eines Autors
besser bestimmen, als anhand seines Best- und Longsellers? Da
hier nicht der Platz für eine eingehende Auseinandersetzung mit
dem „Wehrwolf“ und der ihn kritisierenden Sekundärliteratur ist
,
sollen lediglich kurze Hinweise darauf gegeben werden, wie
dieser Roman gegen den Strom der harsch mit ihm zu Gericht
gehenden Auffassungen auch gelesen werden kann.
Hermann
Löns bezeichnet den „Wehrwolf“ selbst als eine „Bauernchronik“.
Geschildert wird, wie der Dreißigjährige Krieg die Bauernschaft
Ödringen mitsamt dem Wulfshof und seinen Bewohnern heimsucht.
Eine Beschäftigung mit jener Zeit kann nicht umhin, Gräuel zu
schildern, von marodierenden und brandschatzenden Truppen zu
berichten und die Schandtaten mordlüsterner, entwurzelter
Gesellen aufzuzeichnen. Es gibt kaum eine Ortschronik, die nicht
jene Heimsuchungen ausführlich dokumentiert und auch nach
Jahrhunderten noch die Erinnerung an Plünderungen, Übergriffe
und Zerstörungen wach hält. Selbst Friedrich Schiller hatte dem
bei seiner Beschäftigung mit dieser Epoche Tribut zu zollen.
Löns kann also nicht vorgehalten werden, dass Gewaltszenen in
seinem Buch vorkommen. Gefragt werden kann vielmehr nur danach,
ob er sich in seinen Schilderungen mit der Rolle des
distanzierten Chronisten begnügt oder ob er sich –
verherrlichend – vom Strudel der Gewalt mitreißen lässt.
Schnell
ließe sich über Hermann Löns ein Verdikt fällen, richtete sich
das Augenmerk nur auf das Eingangskapitel „Die Heidbauern“. In
einer an die biblische Schöpfungsgeschichte erinnernden Wortwahl
wird eine Welt vorgeführt, in der von Anbeginn an der Kampf ein
konstituierendes Moment des Lebens bildet: Ob fremde Völker,
Römer, Franken oder Raubritter – stets müssen sich die Männer
vom Wulfshof zur Wehr setzen. Doch auch wenn es hart hergeht,
„[...] ihre grallen Augen und ihr helles Lachen verloren die
Wulfsbauern so leicht nicht [...].“ (S. 13) Als dann der
Dreißigjährige Krieg ausbricht und die ganze Welt aus den Fugen
zu geraten scheint, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als ihr
nacktes Leben mit allen Mitteln zu verteidigen.
Der
Dreißigjährige Krieg wird durch die Söldnerheere und
Landsknechtstruppen für die Bauern zur Konfrontation mit den
Fremden, die nicht nur aus weit entfernt liegenden Landstrichen
kommen, sondern auch noch anders-, wenn nicht gar ungläubig
sind. Alle negativen Vorstellungen vom Fremden fließen in das
Bild der „Tatern“, der Zigeuner, ein. Für Drewes, den Engenser
Bauern, der den Bund der sich selbstverteidigenden Wehrwölfe
anführt, sind sie „keine richtigen Menschen“ (S. 29). Die
Wulfshoftochter verhält sich ihnen gegenüber aber menschlich und
lässt nicht – wie es der alte Ulenvater vorhat – den Hund auf
ein Zigeunerweib los, das ein halbnacktes Kind an der Brust hat.
Sie zeigt vielmehr Mitleid und gibt der Frau warme Milch, Brot
und getragene Kleider.
Doch die
Zeiten sind nicht so, dass die Guten für ihr Handeln belohnt
werden. Wie allen anderen, wird auch den edlen und hilfreichen
Menschen übel mitgespielt: Harm Wulf wird ein Pferd gestohlen.
Er muss erfahren, dass die weltliche Obrigkeit, an die er sich
zunächst wendet, nicht mehr in der Lage ist, für Recht und
Gesetz zu sorgen. Er greift die vom Ulenvater beschworene
Erkenntnis auf: „Helf dir selber, dann helft dir auch unser
Herregott!“ (S. 26). Löns wendet sich damit einem Motivkreis zu,
der grandios von Heinrich von Kleist in der Erzählung „Michael
Kohlhaas“ gestaltet wurde. Bei Kleist steigert sich, wie es
Joseph von Eichendorff einst beschrieb, „das gekränkte, tiefe
Rechtsgefühl eines einfachen Rosskamms bis zum wahnsinnigen
Fanatismus, der rachelustig sich und das Land in Mord und Brand
stürzt.“
Löns zeichnet wie Kleist das allmähliche Zermürbtwerden durch
die Vergeblichkeit, Recht zu bekommen, die Zufluchtnahme zur
Selbstjustiz und das Schuldigwerden durch eigene Gewalttaten
nach. Auch wenn bei Harm Wulf die Enttäuschung über das Versagen
der weltlichen Machthaber groß ist, zunächst hält er sich immer
noch zurück. Drewes‘ Aufforderung, sich am „fröhlichen Jagen“
(S. 45) gegen die durch das Bruch ziehenden Kerle zu beteiligen,
kommt er nicht nach. Erst als seine Frau bei einem Überfall auf
den Wulfshof ermordet wird, setzt er sich mit dem Bleiknüppel
zur Wehr. Aber auch jetzt noch gibt er sich nicht blindwütiger
Rache hin, sondern fühlt sich einem – allerdings rudimentären –
Rechtssystem verpflichtet. „Wer Menschenblut vergießt, dessen
Blut soll wieder vergossen werden“ (S. 61), lautet die
alttestamentarisch anmutende Maxime, die ihm jetzt zur
Richtschnur seines Handelns wird. Noch ein zweites Moment kommt
hinzu: Wie es für einen guten pater familias Pflicht ist, bemüht
sich Harm Wulf, den bedrängten Bauern Schutz zu schaffen.
Versteckt im Bruch entsteht auf dem Peerhobsberge eine neue
Siedlung, für die auch eine Kapelle errichtet wird.
Zum
Prediger wird Puttfarken erkoren, der das Handeln der Wehrwölfe
ausdrücklich rechtfertigt: „[...] wer seinem Bruder aus dem
Hinterhalte nach dem Leben trachtet, der ist wie der Wolf; sein
Blut befleckt den nicht, der ihn erschlägt. Unsere Hände sind
rein vor dem Herrn“ (S. 151). Eine solche Predigt reiht sich ein
in die vielen Sentenzen, die im „Wehrwolf“ das Recht der
Selbstverteidigung preisen: „Besser fremdes Blut am Messer, als
ein fremdes Messer im eigenen Blut“, behauptet sogar Harm Wulf
(S. 35). „Wie die Hasen im Kessel“ werden die Feinde
zusammengeschossen „ganz gleich, ob sie Hosen oder Röcke
anhatten“ (S. 146). Zufrieden scheint Harm jetzt erst zu sein
„wenn er Blut lecken kann“ (S. 95). Bald spricht sich herum,
dass es besser ist, einen Bogen um das Bruch zu machen, denn
„[...] an mehreren Stellen waren zwei Fuhrenbäume kahl gemacht
und ein dritter darüber genagelt, und zu allermeist hing ein
Mann mit seinem Halse daran, oder zwei oder drei und kein Mensch
wusste, wer es war und wer sie gerichtet hatte, ausgenommen die
Bauern in der Runde, und wenn der Wind die Galgenfrüchte hin und
her wehte, lachten sie und sagten: ‚Die Bruchglocken läuten
heute aber fein!‘“ (S. 79).
Beim Lesen
solcher Passagen, die ohne Einordnung in den Kontext der
Erzählung für sich genommenen als Gewaltverherrlichung gedeutet
werden könnten – und im nationalsozialistischen Sinne
entsprechend rezipiert wurden –, drängt sich zwangsläufig die
Frage auf, ob sich die Wehrwölfe mit ihrem Verhalten nicht
letztlich auf die Stufe der Marodebrüder stellen. Löns ist sich
dieser Problematik durchaus bewusst, heißt es doch über die von
Drewes zusammengerufenen Leute: „Sie waren auch nicht wie
rechtliche Bauern anzusehen, sondern mehr wie Kriegsknechte und
Wegelagerer. [...] Die meisten trugen auch Bärte und sahen
überhaupt wenig rechtschaffen aus [...].“ (S. 68) Da
Rechtschaffenheit für Harm Wulf etwas Unerlässliches ist, leidet
er mehr als alle anderen darunter, „[...] daß die rechtlichsten
Bauern nicht mehr anders leben konnten, als wenn sie auf Mord
und Raub ausgingen“ und Hand an Leute legten, „[...] die vordem
kein anderes Blut vergossen hatten als das von Vieh und
Geflügel“ (S. 129). Löns ist nun allerdings kein fein
ziselierender Psychologe, der einen solchen Prozess mit seinen
Entwicklungslinien schildern könnte, sondern er vermag lediglich
recht holzschnittartig einen plötzlichen Umschwung nach dem Ende
des Krieges darzustellen: Nervenfieber wirft den Wulfsbauern
nieder, der von so starkem Ekel befallen ist, dass er nicht mehr
mit ansehen kann, wie ein Schwein geschlachtet wird. Über Nacht
bekommt er schneeweiße Haare – fünfundzwanzig Kriegsjahre lasten
auf dem Fünfzigjährigen so schwer, dass er sich wie achtzig
fühlt. Harm Wulf hat einen hohen Preis zahlen müssen – er ist
kein strahlender, siegreicher Held, sondern ein vom Durchlebten
gezeichneter, gebrochener Mensch. Dies wird in einer Rezeption,
die sich nur auf die Wahrnehmung der mit grausamen Zügen
behafteten Selbstjustiz beschränkt, leicht übersehen.
Das
Andenken an Harm Wulf wird in der Familie treulich bewahrt: „In
der besten Stube des Wulfshofes zu Ödringen hängt heute noch der
Bleiknüppel an der Sofawand [...]“ (S. 192). Und doch haben sich
die Zeiten geändert: Der jetzige Wulfsbauer, der Vorsteher und
Landtagsabgeordnete Hermann Wulff, mag ein ernster Mann sein –
„aber an dem Tage, als die Bruchbauern ihren Mann bei der
Reichstagswahl durchbekamen, lachte Hermann Wulff, und als er
nach Hause ging, flötete er das Brummelbeerlied“ (S. 193). Führt
es zu weit, diesen Schlusssatz des Romans dahingehend zu deuten,
dass der Bleiknüppel ausgedient hat, weil die
Auseinandersetzungen nun im Parlament als Wortgefechte
ausgetragen werden?
Vieles
legt es nahe, dass Löns mit seinem Roman im Sinne einer Chronik
nachzeichnen wollte, wie Gewalt entstehen und wohin sie führen
kann. In einem Brief an Georg Friedrich Konrich bezeichnete er
am 29. Oktober 1909 als „Hauptsache“ des „Wehrwolfs“: „Zeitbild
und seelische Entwicklung eines Bauern.“
Sein rauschhaftes Schreiben – die Abfassung des Romans erfolgte
innerhalb weniger Tage – verhinderte jedoch die dafür
erforderliche Feinzeichnung. Allzu plakativ und burschikos geht
es im „Wehrwolf“ zu, als dass Löns ein tiefgreifendes
Seelenporträt der Figuren in ihrer Zeit hätte liefern können.
Dies macht den „Wehrwolf“ bei voreingenommener Lektüre
angreifbar. Aber auch bei Löns-Freunden ist manchmal ein
gewisses Unwohlsein nicht zu verkennen. Leo Mielke fühlte sich
gar berufen, den „Wehrwolf“ zu bearbeiten und in neuer Gestalt
unter dem vermeintlich unverfänglicheren Titel „Der Wulfshof“
zu präsentieren. Allemal angemessener ist es jedoch, sich dem
„Ärgernis“ selbst auszusetzen, denn in Mielkes bereinigter
Fassung geht ein wesentliches Element verloren, nämlich die
Lönssche Sprache. Gerade ihr aber verdankt sich der weit über
den regionalen Raum hinausgehende Erfolg des Autors. Indem er,
wie Dieter Stellmacher hervorgehoben hat, „ein dem
Niederdeutschen ähnliches Hochdeutsch“
schreibt, meint der Leser, einen authentischen niederdeutschen
Geist aufzunehmen, ohne sich mit den Schwierigkeiten des
Dialekts plagen zu müssen. Diese den Leser in ihren Bann
ziehende Sprache ist von einer Qualität, die Arno Schmidt dazu
bewog, „Wehrwölfigkeiten“
– wenn auch „aufgeklärte“ – und „wehrwölfige Monologe“
für sein – nie geschriebenes – opus magnum „Lilienthal“
vorzusehen.
Löns mag
verurteilt werden, aber sind solche Urteile nicht voreilig, wenn
ein experimenteller Schriftsteller wie Helmut Heißenbüttel die
Erzählung „Mümmelmann oder Die Hasendämmerung“ mit ihrer zum
„Wehrwolf“ antithetischen Botschaft vom „Überdauern der
Widerstandslosen, derer, die reinen Herzens sind und niemandem
ein Leid anzun“,
lobt, wenn ein Schöpfer derart gewaltiger neuer Wortwelten wie
Arno Schmidt dem „Wehrwolf“ partiellen Vorbildcharakter beimisst
und wenn kein Geringerer als Bertolt Brecht seine Freundin Bie
Banholzer auffordert, Löns-Lieder auswendig zu lernen?
Eine Lektüre von Löns abseits ideologischer Vorurteile ist
ratsam und lohnend.
Wolfgang
Brandes
Mit
freundlicher Genehmigung entnommen:
Soltauer
Schriften Binneboom, Band 12, 2006, Schriftenreihe
der
Freudenthal-Gesellschaft und des Heimatbundes Soltau
2006 –
140 Jahre Hermann Löns
Auf der
Suche nach sich selber oder
Meine
Beziehungen zu Hermann Löns
Alles hat
damit angefangen, als ich mit 18 Jahren die Gesamtausgabe eines
mir unbekannten Dichters Namens Hermann Löns im Siegener
Antiquariat „Kitsch & Kunst“ erwarb. „Den können Sie in der
Lüneburger Heide gut verkaufen“, hatte mir noch der muffelige
Inhaber des Ladens gesagt, als ob er sich für den Preis
entschuldigen wollte, der für einen Gymnasiasten wohl nicht
billig war.
Bei der
Lektüre angelangt, folgte ich meiner Vorliebe für kürzere Werke
und begann mit dem Gedichtband „Mein goldenes Buch“ und dem
Tierbuch „Mümmelmann“, dann folgten die Jagdschilderungen „Mein
grünes Buch“ und die als Roman getarnten Dorferzählungen „Die
Häuser von Ohlenhof“. Und ich muss sagen, ich war begeistert:
Die Sprache, mit der die einfachen Verse und Naturerlebnisse
dargestellt wurden, war reich, voller Farben und für mich neuer
Töne, voller Vergleiche aus dem Bereich aller Sinne. Die von
Löns gebrauchten Bilder und Metaphern waren klar und deutlich,
und leicht zu erahnen, wenn man sie nicht sofort verstand.
Während
meines Germanistik-Studiums wurde ich mit allen möglichen
literarischen Bewegungen, Gattungen und Stile konfrontiert und
lernte den Umgang mit der Sekundär-Literatur kennen. Doch als
ich in den Lexika und kritischen Schriften nach Hermann Löns
suchte, musste ich mit großem Erstaunen erkennen, dass er
entweder nicht zitiert wurde, oder dass mir unbekannte Aspekte
dieses Schriftstellers dargestellt wurden, etwa die des
Deutsch-Nationalisten oder gar des faschistischen Autors! Von
diesem Zeitpunkt an begann mich der „Fall“ Hermann Löns wirklich
zu interessieren. Ich forschte weiter und, sehr zum Verblüffen
der Lausanner Universitäts-Professoren, machte ihn sogar zum
Thema meiner Magisterarbeit: „Hermann Löns als Lyriker, Versuch
einer künstlerischen Würdigung.“
Je mehr
ich las und über ihn erfuhr, um so mehr entdeckte ich einen
Schriftsteller, dessen Vielfalt unheimlich groß war: Lyrik,
Kurzprosa, Romane, journalistische und wissenschaftliche
Arbeiten, deren Reichweite aber von genial bis mittelmäßig
führte, von gut bis schlecht, von Kitsch bis Kunst, als ob der
Trödelladen damals in Siegen darauf hingewiesen hätte!
Schwach
sind seine Romane (mit Ausnahme des „Wehrwolfs“, der falsch
interpretiert wurde), seine so genannten Soldaten- und
Volkslieder, seine von der Sturmzeit diktierten Briefe; stark
hingegen seine Tier- und Naturschilderungen, seine
naturalistischen Gedichte, seine bissigen Zeitungsplaudereien
und sein Kriegstagebuch. Dazu kommen noch seine Arbeiten als
Schnecken- und, wie erst jetzt wirklich bekannt wurde,
Insektenforscher.
Das ist
eine Meinung. Ich kenne aber tausend andere Meinungen, die
den einen oder anderen Aspekt seines Schaffens betonen oder
kritisieren. Und da sind wir im Kern der Löns’schen Problematik:
Die Löns-Rezeption oder die Schwierigkeit, den Autor Hermann
Löns zu katalogisieren. Wer ist Hermann Löns? Gute Frage. Ein
Naturschriftsteller? Ja, sicher. Ein gesellschaftskritischer
Journalist? Ja, gewiss. Ein erfolgreicher Erzähler in der
Unterhaltungs-Literatur? Ja, wahrscheinlich. Ein „Vorläufer des
3. Reiches“? Nein, natürlich nicht. Aber ...
Alle, die
sich heute auf Hermann Löns berufen, heben eine Seite seines
Schaffens hervor und verleugnen die anderen. Keiner nimmt ihn
ganz. Er war Kind seiner Zeit, also hat er Romane mit
nationalistischen Zügen verfasst, oder in Gedichten den Krieg
verherrlicht. Seine Kriegserfahrung dauerte zwar nicht lange,
doch lange genug, um ein „Kriegstagebuch“ zu schreiben, das
heute als Manifest gegen das Anti-Menschliche im Krieg zu
verstehen ist. Er war Jäger und freute sich auf die Beute, doch
in seinen Erzählungen vergaß er manchmal zu schießen, so sehr
bewunderte er die Schönheit des zu erlegenden Wildes. Er war
Unerhaltungsschriftsteller, für die Sonntagsbeilage der Zeitung
zuständig, doch konnte er auch in einem wissenschaftlichen
Jargon über einen Vorfall berichten. Die Beispiele häufen sich.
Hermann
Löns war eine gespaltene Figur, in einer Zeit, wo keiner wusste,
wohin die Zeit strebte. Eigentlich war er nur auf der Suche nach
sich selber, in privaten oder beruflichen Angelegenheiten sowie
in seinen Werken. Aber er hat viel zu viel angetastet, als dass
man ihn heute eindeutig einstufen könnte. Sein Problem ist, dass
man ihn hat einordnen wollen. Und zu diesem Zweck war jedes
Mittel willkommen: Die Herausgeber haben seine Texte beliebig
verkürzt oder verlängert, vertont, an die Zeit angepasst oder
ganz einfach verschwiegen. Auf der einen Seite hat einer der
bekanntesten Löns-Kenner jahrelang das Kriegstagebuch nur in
Bruchstücken erwähnt, während er alles dazu tat, Löns als
„Erfinder“ des Hakenkreuzes darzustellen; auf der anderen Seite
lehnt die große Mehrheit der heutigen Löns-Leser jeden modernen
Wissenschaftler ab, der negative Züge bekannt gibt, wie z. B.
Hermann Löns als Alkoholiker, oder Hermann Löns als
Schürzenjäger.
Löns‘
Problem ist die Ambivalenz, das So-wohl-als-auch, das
Zwischen-den-Zeilen.
Wahrscheinlich ist es diese Ambivalenz, die heute noch anzieht.
Wie viele Dichter der Jahrhundertwende um 1900 sind es, deren
Werke dauernd wieder aufgelegt (mit Gesamt- oder Teilausgaben),
oder in mehrere Sprachen übersetzt werden?! („Der Wehrwolf“ ist
soeben in Amerika erschienen).
Darüber
hinaus wäre es jetzt an der Zeit, endlich zurück zu den Urtexten
zu finden, um eine historisch-kritische Gesamtausgabe jenseits
von gut und schlecht herauszugeben.
Hermann
Löns? Ein Wesen mit Höhen und Tiefen. Ein Schriftsteller mit
Seiten eines Genies und denen eines Teufels. Ein Mensch wie du
und ich - zum Liebhaben -
Olivier
Thiébaud
Anmerkung der Redaktion:
Dieser
Essay ist im „Lesebuch I“ von Olivier Theobald abgedruckt. Er
wurde bei der Vorstellung des Buches Ende letzten Jahres vom
Autor in München vorgetragen. Er war auch ein Beitrag zum Jahr
„140 Jahre Hermann Löns“.
Eine
Kurzbesprechung des Buches folgt:
Olivier
Theobald: „Lesebuch I“
Der
Löns-Verband hat das von Olivier Theobald geschriebene
Theaterstück „Rausch an der Leine“ und die Gedichtbände
„Spiegelfahrten“ sowie „Auf der Achterbahn“ herausgegeben. Die
Leser kennen den Autor aber auch aus verschiedenen
Veröffentlichungen in den „Hermann-Löns-Blättern“.
Mit
„Lesebuch I - Gedichte, Aphorismen, Essays und Theaterstücke“
legt Theobald nunmehr eine weitere Sammlung von Gedichten,
Aphorismen, 2 Theaterstücken und 2 Essays vor. Auf Seite 77 des
Lesebuches ist z. B. das folgende Gedicht veröffentlicht:
Wenn unser
Alltag uns entmutigt,
dann fang
ich wirklich an zu leben.
Weil meine
Weltuhr erst in Ruh tickt,
wenn
Gegenwinde sie umgeben.
Leicht,
auf Anhieb, sind viele Gedichte nicht zu lesen. Theodor W.
Adorno spricht angesichts moderner Texte vom möglichen „Schock
des Unverständlichen“. Der Leser sieht sich zum Beispiel
aufgrund eines mit dem Dichter nicht identischen
Anschauungshintergrundes oder einfach nicht nachvollziehbarer
Gedankengänge entweder einem Kommunikationsbruch - er liest
nicht mehr weiter - ausgesetzt, oder er muss beim Weiterlesen
aufs Verstehen verzichten. Olivier Theobald arbeitet mit seinen
Gedichten sprachlich gegen die eindimensionale Sprachlenkung der
Medien, die verkürzende Schlagzeile, den Apparat einer
verwalteten Gesellschaft und gegen ein Denken, das durch
Begriffe wie Leistungsfähigkeit und Produktivität den Schein von
Rationalität und Wahrheit beansprucht. So gesehen könnte man die
Gedichte mit den Worten von Herbert Marcuse auch als „Protest
gegen das, was ist“ sehen.
Das Werk
von Theobald beschränkt sich nicht nur auf die Lyrik, wenn er
auch bisher als Lyriker die stärkste Ausstrahlung gefunden hat.
Theaterstücke und Gedichte ergänzen einander. Sie haben die
Sprache gemeinsam. Den Essay „Auf der Suche nach sich selber
...“ finden sie zuvor in diesem Heft.
Es ist ein
sehr lesenswertes Buch, das man gerne in Mußestunden zur Hand
nehmen wird. Die Illustrationen von René Blöchlinger sind eine
Bereicherung.
Gerhard
Zahmel
Olivier Theobald: „Lesebuch I -
Gedichte, Aphorismen, Essays und Theaterstücke“, Illustrationen
von René Blöchlinger, 262 Seiten, Geest-Verlag,
Vechta-Langförden, Tel. 04447/856580, 2006. Preis 12,50 €. ISBN 978-3-86685-028-6
Österreichischer Hermann-Löns-Kreis
Vortrag über Löns
Am 16.
November 2006 hielt ich wieder einen Vortrag mit Lesungen über
Hermann Löns in den Räumen des Volksbildungskreises.
Ich sprach
auch über die Möglichkeiten wie wir Löns, sein Schaffen und sein
Leben Menschen näher bringen können, die ihn noch nicht kennen.
Gerne erwähne ich in den Vorträgen auch die Aufenthalte von Löns
in Österreich. So kam Löns überraschend gegen Ende Oktober 1911
nach Wien und besuchte seinen Dichterfreund Ottokar Stauf von
der March. Über diese Reise oder eigentlich „Flucht“ wie Löns
selber meinte, berichtet mein Vater im Buch „Hermann Löns auf
der Flucht“, erschienen im Loensia Verlag (siehe
B11 auf der Seite Literatur).
Wien
gefiel Löns sehr gut und er führte mit Freund Stauf von der
March interessante Gespräche. So auch einmal im Klosterneuburger
Stiftskeller. Dort sprachen sie über seine Bücher und über seine
Pläne. Nach dem Wiener Aufenthalt fuhr Löns nach Graz, später
dann in die Schweiz und nach Holland.
Stauf von
der March sagt am Schluss seiner Erinnerungen an Hermann Löns
„Alles in allem: Hermann Löns war das, was man mit einem guten
alten Wort als einen ganzen Kerl bezeichnet, und man kann von
ihm dasselbe sagen, was Goethe seinem Landsmann Klinger
nachrief:
Er war ein fester, treuer Kerl!“
Harald
Cajka
Hermann-Löns-Kreis Lüneburger Heide
Programm 2007
Veranstaltungen des Hermann-Löns-Kreises Lüneburger Heide
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31. März 2007
15.00 Uhr |
Kommunikationstreffen
mit Reinigung der
Löns-Hütte im Westenholzer Bruch
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24. Juni 2007
15.00 Uhr |
Mahl- und Backtag an der
Westenholzer Mühle mit Infotafeln des
Hermann-Löns-Kreises. Ausstattung der Mühle durch W.
Doose mit Bildern und Tafeln mit Aussagen von Hermann
Löns. Veranstalter: Jürgen Clasen |
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18. Juli 2007
10.00 Uhr |
Ausflug zum Mühlenmuseum in Gifhorn. Einkehr im
Lönskrug (Familie Saak) in Winkel. * |
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28. Juli 2007
18.00 Uhr |
Fahrt zum Plattdeutschen
Freilicht-Theater nach Holtebüttel *
|
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18. Aug. 2007
9.00 Uhr |
Fahrt nach Lüneburg, evtl.
Stadtführung * |
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26. Sept. 2007
|
Bruchniederlegung am Grab
von Hermann Löns im Tietlinger Wacholder-hain bei
Walsrode |
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13. Okt. 2007
18.00 Uhr |
Jahreshauptversammlung im
Hotel Hannover. Einladungen mit dem Programm erfolgen
schriftlich. |
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2. Dez. 2007
15.00 Uhr |
Adventsnachmittag im
„Rossini“ Klubraum, Stadthalle Walsrode
|
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ab April 2007
ab 19.00 Uhr |
Lese- und Plauderstunde,
Hotel Hannover, Walsrode
Jeden letzten Mittwoch im
Monat |
Mitglieder und Gäste sind zu den
Veranstaltungen herzlich eingeladen!
- Programmänderungen vorbehalten -
Wolfgang
Doose, 1. Vorsitzender
*)
Anmeldung erbeten unter Telefon 05161/8297 (Fahrgemeinschaften)
Start: Parkplatz Klostersee
Buchrezension
Hermann
Löns: „Autographen-Verzeichnis II“
Der Aufruf in den Hermann-Löns-Blättern im
Jahre 2000, die im Privatbesitz befindlichen
Löns-Lebensdokumente zu melden, sowie viele Recherchen führten
zu einer Zusammenstellung von ca. 2600 Autographen bzw.
Lebensdokumenten von Löns. Um das Lebenswerk in Zukunft neu
biographisch aufarbeiten zu können, ist die Kenntnis dieser
Autographen schon allein aus wissenschaftlichen Gründen
notwendig.
Das Wissenschaftliche
Forschungsarchiv-Hermann Löns in Ascheberg-Herbern möchte die
inhaltliche Erschließung dieser Dokumente den interessierten
Löns-Forschern zugänglich machen. Wegen der Fülle des Materials
kann dieses nur in Teilschritten geschehen. Daher sind mehrere
Bände geplant, die jeweils nach Beendigung der Teilrecherchen
erscheinen sollen. Dem Band I sind das Gesamtregister und
Nachträge zu anderen Bänden vorbehalten. Daher erscheint dieser
zuletzt. Interessenten können diesen Band aber als pdf-Datei in
jeweils der neusten Version oder aber als Vorabdruck erhalten.
Weitere Bände sollen folgende Inhalte haben:
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* |
Buchveröffentlichungen und
Beiträge in Büchern von Hermann Löns bis zum Jahre 1918
und Lebensdokumente von Hermann Löns (Band III) |
|
* |
Fotos von Hermann Löns und
seinen Wirkungsstätten (Band IV) |
|
* |
Briefwechsel von Hermann Löns,
gegliedert nach den Entstehungs-jahren (Band V a-?) |
|
* |
Werke und Manuskripte von
Hermann Löns (Bd. VI) |
Das Autographenverzeichnis II enthält
Widmungen und Handschriften von Löns in Büchern, auf Fotos und
auf anderen Dokumenten. Auf den Seiten 81/82 sind Texte
abgedruckt, die sich auf das Buch „Mein grünes Buch“ beziehen.
Viele Leser möchten immer wieder wissen, welche Orte oder
Landschaften die Geschichten beschreiben. Es gibt eine
Handschrift von Löns, die eine örtliche Zuordnung gestattet und
die Leo Mielke im „Heimatkalender - Jahrbuch für die Lüneburger
Heide 2007“ veröffentlicht hat. Allerdings gibt es eine weitere
Version, die im Besitz des Rezensenten ist, und die einige
andere Zuordnungen nennt.
So hat
Löns z. B. die Erzählung „Ein blanker Tag“ sowohl dem Ort
„Barbis a. Harz“ (Mielke) als auch der Stadt „Soltau“ (Zahmel)
zugeordnet. Zu geg. Zeit wird diese Ungereimtheit aufgrund von
Nachforschungen vor Ort aber noch geklärt werden können.
Dr. Helmut
Prilop, Hannover, gab der Ausarbeitung einen weiteren sehr
wichtigen Impuls, indem er die Löns-Autographen auf deutschen
Auktionen von 1950-2004 zusammenstellte. Unermüdlich half er
auch bei schwierigen Tansskriptionen. Der Band II zeigt den
Stand der Autographen-Erfassung (Oktober 2006). Die noch nicht
eingesehenen Dokumente sind überwiegend auf Auktionen (z. B. bei
Stargardt) gehandelt, bei denen die Erwerber noch nicht
ermittelt werden konnten. Auch muss der nach 1975 neu erworbene
Bestand der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund (einschließlich
des Nachlasses von Dr. Deimann) noch erfasst werden.
Es ist das
große Verdienst von Karl-Heinz Beckmann, dass er ein solches
Projekt in Angriff genommen hat. Wir wünschen ihm auf diesem
Wege gesundheitliche Besserung.
Gerhard
Zahmel
Karl-Heinz Beckmann: „Hermann Löns Autographen-Verzeichnis II -
Widmungen in Büchern, auf Photos und in anderen Schriftstücken“,
88 Seiten, Format DIN-A4, Schriftenreihe LOENSIA des
Wissenschaft-lichen Hermann-Löns-Archivs, Ascheberg-Herbern
2006, LOENSIA Lebensdokumentenreihe Band II, zu beziehen nur bei
Karl-Heinz Beckmann, An der Vogelrute 46-50, 59387
Ascheberg-Herbern, e-mail: k.h.beckmann@euroroll.de, Preis 30 €,
ISBN 3-9809324-2-7
Buchrezension
Burkhard Winsmann-Steins: „Mit den Augen des Jägers“
Seine
schönsten Fotografien mit klassischen Jagd-Erzählungen
Der
Jagdmaler Rien Poortvliet bezeichnete den Fotografen Burkhard
Winsmann-Steins einmal als seinen „Bruder in der
Tierdarstellung“. Wie keinem anderen gelingt es Winsmann-Steins,
wild lebende Tiere so darzustellen, wie sie der Jäger und
aufmerksame Naturbeobachter wirklich erlebt - also tatsächlich
„mit den Augen des Jägers“ zu fotografieren. Seine Bilder
stammen ausnahmslos aus der freien Wildbahn: Die Ablichtung
halbzahmer Tiere in Kleinstgattern passt nicht zu seinem
Verständnis von Wildtier-Fotografie. Dass Winsmann-Steins auch
ein Virtuose der Natur- und Landschaftsfotografie ist, beweist
er einmal mehr in diesem Buch. Verschiedene seiner Fotos wurden
vom Conseil International de la Chasse (CIC) prämiert.
Die
Autoren der Jagderzählungen in diesem Band sind:
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Hermann Löns
(1866-1914): „Der profilierteste Jagdschriftsteller
Norddeutschlands zu Beginn dieses Jahrhunderts ist der
‚Heidedichter‘ Hermann Löns“ (Jagd-Lexikon). Von ihm
sind die Erzählungen „Waldpfingsten“, „Mümmelmann“ und
„Auf Sauen“ abgedruckt. |
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Friedrich Freiherr von
Gagern (1882-1947): „Eine der letzten herausragenden
Gestalten der Jagdbelletristik bis zum Ende des 2.
Weltkrieges war ... Friedrich von Gagern“ (Jagd-Lexikon) |
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* |
Ludwig B. Freiherr von
Cramer-Klett (1906 - 1985): „Man wird in der deutschen
Literatur lange suchen können, um so eine erfüllte
Darstellung des waidmännischen Lebens zu finden.“
(Süddeutsche Zeitung) |
„Jagd ist
Schauen, Jagd ist Sinnen - Jagd ist Ausruhen, Jagd ist
Erwarten“, so der große Jagdschriftsteller Friedrich von Gagern.
Besser lässt sich der „Blick des Jägers“ kaum umschreiben. Und
besser als Burkhard Winsmann-Steins vermag wohl kein Fotograf
diese spannungsvollen Augenblicke der Jagd in der Momentaufnahme
einzufangen.
„Mit den
Augen des Jägers“: die ganze Faszination der Jagd in großartigen
Naturaufnahmen und hinreißenden Jagderzählungen - nicht nur für
Jäger!
Mit einem
Geleitwort von Horst Reetz, langjähriger Chefredakteur von „Wild
und Hund“.
Info/Geza
Burkhard Winsmann-Steins: „Mit den Augen des Jägers - Seine
schönsten Fotografien mit klassischen Jagd-Erzählungen“, 141
Farbfotos des Autors, 155 Seiten, gebunden, 24 x 28,5 cm, 1.
Auflage, 2001, zu beziehen: Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co.,
Postfach 106011, 70049 Stuttgart, Tel. 0711/21910, E-Mail: info@kosmos.de,
Web: www.cosmos.de oder in jeder Buchhandlung, Preis 39,90 €,
ISBN 3-440-09020-5
Buchrezension
Beiträge zur Jagdgeschichte: „Jagd in der Lüneburger Heide“
Die
Präsentation von Jagdgeschichte im Bomann-Museum hat bereits
eine lange Tradition: Mitten im Ersten Weltkrieg wurde zu
Pfingsten 1916 im Obergeschoß des Museums die neu entstandene
Abteilung für Hannoversches Jagd- und Forstwesen eröffnet. Erst
Mitte der 1980er Jahre mussten im Zuge einer grundlegenden
baulichen Sanierung des Museumsgebäudes auch die jagd- und
forstgeschichtlichen Exponate ins Magazin ausgelagert werden.
Die
Sonderausstellung im Jahre 2006 „Jagd in der Lüneburger Heide“
nahm somit eine alte museale Tradition in Celle wieder auf,
indem sie zahlreiche wertvolle jagdgeschichtliche Exponate aus
dem Sammlungsbestand des Bomann-Museums und weitere Exponate
zumindest für eine begrenzte Zeit der Öffentlichkeit zugänglich
machte.
Die
vorliegende Begleitpublikation zur Ausstellung ist ein Produkt
des mehrjährigen Projektes „Geschichte der Jagd in der
Lüneburger Heide“, das vom Lüneburgischen Landschaftsverband
getragen und vom Bomann-Museum Celle gemeinsam mit dem
Museumsdorf Hösseringen durchgeführt wurde.
10 Autoren
befassen sich zu verschiedenen Themen des Jagdwesens. Auf S. 283
wird Löns im Zusammenhang mit Jagddenkmälern erwähnt. Mitglied
Hans Schönecke ist auf den Seiten 321-337 mit dem Thema „Hermann
Löns als kritischer Jäger“ vertreten. Er schreibt: „Kein Jäger,
Heger und Naturfreund kommt an Hermann Löns, dem Schriftsteller,
Dichter, Jäger, Heger sowie Natur- und Umweltschützer, vorbei.
Löns (1866-1914) lebte ab 1893 in Hannover. Er war Redakteur und
Chefredakteur des Hannoverschen Anzeigers, der Hannoverschen
Allgemeinen Zeitung, des Hannoverschen Tageblatts und der
Schaumburg-Lippischen Landeszeitung. Seine zahllosen Berichte
über die Natur und die Jagd erschienen überwiegend in den
Organen, für die er tätig war, aber auch in vielen anderen
Zeitungen in Deutschland. Aus diesen Veröffentlichungen
entstanden die meisten Bücher.“
Schönecke
greift im Text die Themen „Jäger müssen zuerst lernen“, „Löns
verlangt Schutz der Tiere“, „Kampf gegen unweidmännische Jäger“,
„Löns befürwortet die Jagd“ und „Löns kritisiert die bequemen
Jäger“ auf. Die Gedichte „Der Jäger“, „Der Heger“,
„Verkoppelung“ und, eines der schönsten, „Höret“ (3 Verse) sind
abgedruckt. Abschließend fasst Schönecke im Kapitel „Löns war
eine Bereicherung für das Jagdwesen“ zusammen, wie Löns heute
auf diesem Gebiet gesehen wird:
„Der Jäger
Löns wäre in der heutigen Zeit auf die meisten Mitjäger
sicherlich ein wenig stolz. Zum einen gefiele ihm die intensive
Ausbildung vor der Jägerprüfung. Zum anderen wäre er auch
begeistert von vielen Jägern und Jagdgenossenschaften, die sich
intensiv für die Natur einsetzen und z. B. Feuchtbiotope anlegen
und Schutzhecken anpflanzen. Sehr bedenklich hingegen würde ihn
der zum Teil starke Bestandsrückgang bei den Hasen, Rebhühnern
und besonders Birkhühnern stimmen. Er würde sicherlich in der
Presse dafür eintreten, Fuchs, Waschbär, Marderhund und
Greifvögel stärker zu bejagen. Ganz sicher wäre bei ihm auch der
heutige Autoverkehr mit der Massenvernichtung von Kleingetier
bis hin zum jagdbaren Wild ein großes Thema.“
Wer die
Ausstellung gesehen hat, war begeistert. Die gleiche Meinung
wird sich auch für dieses Buch einstellen.
Gerhard
Zahmel
Hrsg.
Bomann-Museum Celle, Landwirtschaftsmuseum Lüneburger Heide
e.V., Suderburg Hösseringen: „Jagd in der Lüneburger Heide,
Beiträge zur Jagdgeschichte, Begleitpublikation zur
Ausstellung“, 376 Seiten, gebunden, Ströher Druckerei und Verlag
KG, Celle 2006, in jeder Buchhandlung erhältlich oder zu
bestellen bei der Stadt Celle, Stadtarchiv, Tel. 05141/12343,
Preis 19,80 €, ISBN 3-925902-59-7 oder 978-3-925902-59-8
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