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Hermann-Löns-Blätter,
Heft 3 / 2006
(auszugsweise, ohne Bilder)

Inhaltsverzeichnis
Einweihung des
Löns-Denkmals am 2. September 2006 in Walsrode
Laudatio zur Einweihung des
Hermann-Löns-Denkmals von Waldemar R. Röhrbein
Eröffnung der Ausstellung zum 140. Geburtstag von Hermann Löns
Jahreshauptversammlung 2006
Österreichischer
Hermann-Löns-Kreis: Pulkauer Löns-Feier
Buchrezension: The
Warwolf (Der Wehrwolf) in den USA auf Englisch
erschienen
Buchrezension:
Hermann Löns: „Wasserjungfern und andere
Insektengeschichten“ /
Karl-Heinz Beckmann: „Der Insektenforscher Hermann Löns“
Löns-Woche 2006
Einweihung des
Löns-Denkmals am 2. September 2006 in Walsrode
Bei Sonnenschein erfolgte die Einweihung am 2. Sept. 2006, 16.00
Uhr, am Beginn der Hermann-Löns-Straße vor dem Hause Nr. 9 /
Stadtwald Eckernworth, den Löns auch beschrieben hat. 1. Vors.
Monika Seidel konnte ca. 500 Gäste begrüßen. Wegen der großen
Anzahl der Vertreter des öffentlichen Lebens nannte sie immer
nur einen Namen stellvertretend für die jeweilige Gruppe, z. B.
Harald Cajka, Vorsitzender des Österreichischen Löns-Kreises.
Rundfunk, Fernsehen und Presse waren ebenfalls vertreten.
Sie fuhr wörtlich fort: „Last but not least begrüße ich auch die
Mitwirkenden dieses Festaktes und bedanke mich für Ihre
Teilnahme. Ein herzliches Willkommen gilt Seiner Königlichen
Hoheit (S. K. H.), Heinrich Prinz von Hannover, als Vertreter
des Welfenhauses, zu dem die Stadt Walsrode offiziell bis 1866
und aus eigenem Willen darüber hinaus immer gehalten hat.
Zufällig ist dieses Jahr auch das Geburtsjahr von Hermann Löns.
Willkommen heiße ich Dr.
Waldemar Röhrbein, Ehrenpräsident des Niedersächsischen
Heimatbundes, der die Laudatio halten wird, Hannelore Kaiser,
Bürgermeisterin der Hermann-Löns-Stadt Walsrode, die dieses
Löns-Denkmal für alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt und die
Dörfer stellvertretend entgegennehmen wird, das
Jagdhornbläsercorps der Jägerschaft Fallingbostel und die
Gebrüder Jan und Haye Graf, die die Veranstaltung musikalisch
umrahmen und die Bildhauerin Marlies Leonardy-Rex, die dieses
Denkmal geschaffen hat.
Sie ist Schöpferin so großer
Werke, wie Büsten von Konrad Adenauer im Haus der Geschichte in
Bonn, Willy Brandt für die Friedrich-Ebert-Stiftung oder Otto
Hahn für die Atomorganisation in Wien. Der Name Rex ist in
Walsrode bekannt. Die Künstlerin wohnt wieder hier und hat ihrer
Stadt und uns allen diese Statue gestiftet. Über ein Jahr hat
sie daran gearbeitet. Dynamik, Lebendigkeit und Ähnlichkeit mit
Löns sind wesentliche Merkmale dieser herausragenden Skulptur.
Nur wenige Künstler können von sich sagen, dass auch ein Werk
von ihnen auf einer Briefmarke verewigt ist. Vor einer Stunde
konnten Sie erleben, dass wir eine solche Briefmarke der
Österreichischen Post der Öffentlichkeit vorstellen konnten.
Es gibt nicht unzählige
Löns-Denkmäler. Wir haben sie gezählt und festgestellt, dass
dieses Denkmal das 140. ist. Hat es sich nicht gefügt?, denn in
dieser Löns-Woche, am 29.8. jährte sich Löns‘ 140. Geburtstag.
Das war der Anlass, dieses Denkmal in der Löns-Woche einzuweihen.
Im Rahmen der Begrüßung wäre es schon längst meine Aufgabe
gewesen, unseren Ministerpräsidenten Christian Wulff zu
entschuldigen, der heute leider nicht kommen konnte, uns aber
ein Grußwort übermittelt hat, das Heinrich Prinz von Hannover
vortragen wird.“
Im Rahmen des Programms hielt
Dr. Waldemar R. Röhrbein eine bemerkenswerte Laudatio,
die wegen der großen Nachfrage von Interessierten ab Seite 8
abgedruckt ist.
S. K. H. Heinrich Prinz von Hannover sagte in seinem Grußwort,
dass er die Lüneburger Heide bei der Ableistung seiner
Wehrpflicht näher kennen gelernt habe. Von ihm wurde das
Löns-Gedicht zitiert „Die Prinzessin von Ahlden“, die eine
seiner Vorfahrinnen sei. Im Geburtsjahr von Hermann Löns, 1866,
wurde das Königreich Hannover von Preußen annektiert, und es war
sein Urgroßvater, Wilhelm II., der den Kriegsfreiwilligen Löns
1914 in den Krieg schicken musste. S. K. H. Heinrich Prinz von
Hannover dankte für die Einladung und verlas das Grußwort des
Niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff, das auf
der Seite 7 dieses Heftes abgedruckt ist. Die Löns-Skulptur war
mit einem gelben Tuch verhüllt, das von einem weißen Band
gehalten wurde. Der Prinz von Hannover und 1. Vors. Seidel
enthüllten das Denkmal locker mit viel Schwung.
Stellv. Bürgermeisterin Hannelore Kaiser bedankte sich dafür,
dass sie für die Stadt Walsrode und deren Bevölkerung diese
Statue symbolisch entgegennehmen könne. Sie hat Löns gelesen,
denn sie zitierte ihn mit seiner Beschreibung des Ganges zum
Stadtwald Eckernworth. Ihr Dank galt allen und auch der 1.
Vorsitzenden Seidel für das Engagement.
Das Jagdhornbläsercorps der Jägerschaft Fallingbostel unter
Leitung von Dietlind Fuhrhop sorgte hervorragend für die
musikalische Umrahmung. Zum Abschluss wurde gemeinsam das Lied
„Auf der Lüneburger Heide“ gesungen, musikalisch begleitet von
den Gebrüdern Jan und Haye Graf.
Eine würdige und gelungene Veranstaltung haben die Mitwirkenden
und Gäste erlebt. Es war ein bedeutendes Ereignis für die
Hermann-Löns-Stadt Walsrode. In der Geschichte des
Löns-Verbandes war diese Einweihung ein nicht wiederholbarer
Meilenstein. Das Bewusstsein für Löns ist einen großen Schritt
vorangekommen.
Gerhard Zahmel
Löns-Woche 2006
Laudatio zur Einweihung des
Hermann-Löns-Denkmals in Walsrode
von Waldemar R. Röhrbein
Wir haben uns hier in Walsrode eingefunden, um ein Löns-Denkmal
zu enthüllen. Dabei sind derlei ganzfigurige Personendenkmäler
mit Porträtähnlichkeit des Dargestellten im Grunde längst aus
der Mode gekommen. Sie hatten ihre große Zeit in der zweiten
Hälfte des
19. Jahrhunderts bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges.
Ab heute wird der Besucher hier,
in der Hermann-Löns-Stadt Walsrode, einem Denkmal für Hermann
Löns begegnen, das die Bildhauerin Marlies Leonardy-Rex
geschaffen hat. Soll dieses Denkmal dem
Vorübergehenden eine Gedächtnisstütze oder eine Gedächtnishilfe
sein? Oder wird das Denkmal zur notwendigen Erinnerung an den
Journalisten, Dichter, Naturfreund, Heimatschützer und Jäger
Hermann Löns aufgestellt? Sollen wir ihn jetzt bewundern,
nachdem sein Charakterbild „von der Parteien Hass und Gunst
verwirrt“ jahrzehntelang durch die Geschichte irrlichterte?
Teils aufgrund seines eigenen Werkes, teils aufgrund manchen
Unfugs, der über ihn und sein Werk geschrieben wurde, aber auch
aufgrund der politischen Instrumentalisierung, die man im
Dritten Reich mit dem Toten betrieb.
Nach Monika Seidel, der äußerst
tatkräftigen Vorsitzenden des „Verbandes der Hermann-Löns-Kreise
in Deutschland und Österreich“, die von einer Löns-Renaissance
spricht, soll mit diesem Denkmal auch die Verbundenheit der
Stadt Walsrode mit Hermann Löns noch stärker zum Ausdruck
gebracht werden. Denn Hermann Löns habe sich häufig in Walsrode
und Umgebung aufgehalten, wo nach einer politischen Groteske
bekanntlich auch seine vermeintlichen Überreste beigesetzt
wurden.
Und schließlich liegt Walsrode
mitten in der Lüneburger Heide, deren heutiger Ruhm ohne Hermann
Löns nicht zu denken ist. Wo hätte man mitten in der Heide, wenn
nicht hier in Walsrode, denn sonst ein Löns-Denkmal aufstellen
sollen? So reiht sich dieses Denkmal in das vielerorts gepflegte
Gedenken ein, wie es sich in unzähligen nach Löns benannten
Straßen, Plätzen, Wegen, Parks, Hainen, Brunnen, Steinen,
Denkmälern, Gedächtnistafeln, Gaststätten, Krügen und Apotheken
spiegelt.
Dies alles ist die eher
unverbindliche Seite der Erinnerung an Löns. Die aktive
Auseinandersetzung mit Hermann Löns kann nur über die Lektüre
seiner Werke erfolgen. Doch wie groß ist heute die
Begeisterung, Löns zu lesen? Aus der Schule erfuhr ich, Löns
komme im Unterricht kaum noch vor. Im Buchhandel sind mehr als
20 Titel erhältlich. In der Stadtbibliothek Hannover werden
Löns‘ Werke hin und wieder ausgeliehen. Doch in Carl Otto
Conradys „Großem deutschen Gedichtbuch“ sucht man Löns
vergeblich.
Löns lebte von 1866 bis 1914,
also etwa während der Dauer des
Deutschen Kaiserreiches. Er schrieb in einer Zeit voller Um- und
Aufbrüche. Der Modernität des imperialistischen Kaiserreiches in
Technik und Wissenschaft standen innenpolitisch Rückständigkeit
und anti-demokratische Vorstellungen gegenüber. Der Agrarstaat
wandelte sich zur Industrienation. In den sich rapide
vermehrenden und wachsenden Großstädten pulsierte das Leben.
Hier herrschten Hektik und Tempo. Das Schlagwort von der
„Nervosität“ kam in Mode. Eines ihrer Opfer wurde Hermann Löns.
Als Gegenreaktion auf diese
Dynamik der Moderne formierten sich aufgrund eines verbreiteten
Unbehagens an den sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen
Erscheinungen der Zeit teils miteinander verbundene
kulturkritische Bewegungen, darunter auch die Heimatbewegung.
Hierzulande trat sie 1901 mit dem „Heimatbund Niedersachsen“ in
Erscheinung, zu dessen Mitgründern auch Löns gehörte.
In diesem Geflecht
gesellschaftlicher Veränderungen bewegte sich der Journalist,
Schriftsteller und Dichter Hermann Löns, durch und durch ein
Kind seiner Epoche. Und als solches muss er auch gesehen werden,
will man ihm halbwegs Gerechtigkeit widerfahren lassen. Von Kindheit an war er der
Natur, der Landschaft und den Tieren eng verbunden, doch weder
in der Schule noch auf den Universitäten sonderlich erfolgreich,
so dass er schließlich ohne Studienabschluss, wenn auch mit
exzellenten naturwissenschaftlichen Kenntnissen dastand.
Er versuchte es mit dem
Journalismus, zunächst mit erheblichen, in seiner
Persönlichkeitsstruktur begründeten Anlaufschwierigkeiten, bis
er, inzwischen verheiratet, 1893 zum eben gegründeten
„Hannoverschen Anzeiger“ kam. Dessen bestes journalistisches
Zugpferd blieb er länger als ein Jahrzehnt. 1902 packte ihn die
Unruhe. Mit anderen gründete er die schon zwei Jahre darauf
wieder eingestellte „Hannoversche Allgemeine Zeitung“.
Anschließend verdingte er sich bis 1907 beim „Hannoverschen
Tageblatt“.
Dann hatte er, der, ungeachet
seiner Vorlieben für die Natur, für das Ländliche, für Wald und
Heide, durch und durch ein Stadtmensch war, und von Zeitgenossen
auch als eine Art Dandy, als Trendsetter in Modedingen
beschrieben wurde, nicht nur die Großstadt, sondern auch die
Fron der Redaktionsarbeit gründlich satt.
Er ging zur
„Schaumburg-Lippischen Landeszeitung“ in das kleine Bückeburg,
mit der Hoffnung, dort ein ruhigeres Leben und mehr Zeit für
seine schriftstellerische Arbeit zu finden. Nichts erfüllte
sich. Unzuverlässigkeit und wieder erwachte Freude am Alkohol
bescherten ihm 1909 die Kündigung. Inzwischen war auch seine
zweite Ehe zerbrochen, aus der ein behinderter Sohn
hervorgegangen war. Kurzzeitig hatte er sich einer zwanzig Jahre
jüngeren Nichte seiner Frau zugewandt. Ab 1912 lebte er mit
einer dritten Lebensgefährtin zusammen.
Das „Tageblatt“, das ihn nach
seinem Bückeburger Fiasko, für das er sich mit der flott
geschriebenen Satire „Duodez“ rächte, wieder aufgenommen hatte,
verließ er 1911, um endlich als freier Schriftsteller leben zu
können. Fast zwei Jahrzehnte hatte er
journalistisch gearbeitet und außer Musik und Wirtschaft alle
einschlägigen Themen behandelt. Im Feuilleton ein Verächter des
Naturalismus und im Politischen ein Anhänger der deutschen
Kolonial- und der verhängnisvollen, gegen England gerichteten
Flottenpolitik, der zweifellos sein Matrosenlied, mit dem
Refrain „Denn wir fahren gegen Engelland“ entsprang.
Während seines gesamten
journalistischen Lebens hatte Löns sich im Zwiespalt befunden
und diese Befindlichkeit 1906 auf den Punkt gebracht: „Es ist
mit dem Journalismus wie mit der Luft: Ohne ihn kann ich nicht
leben, allein davon mag ich nicht“ (zitiert nach Anger, S. 74).
Was er mochte, wusste er. Drei Jahre später bekannte er: „Dass ich
jahrelang Journalist war, war gut für mich, man lernt kritisch
zu sein. Nun aber, da ich weiß, worauf es ankommt, wünsche ich,
ich wäre unabhängig, um einige Bücher schreiben zu können“
(zitiert nach Anger, S. 74). Drei seiner Romane hatte er, alle
in kürzester Zeit, bereits neben seiner journalistischen
Tätigkeit geschrieben.
Nach seiner 1911 erfolgten
Lösung vom „Tageblatt“, fand er endlich die ersehnte Zeit zum
weiteren Schreiben von Romanen, Erzählungen, Naturbetrachtungen,
Jagdgeschichten, Märchen und Gedichten. In all diesen Gattungen
war er zu Hause. Seine bisherige Produktion war nicht nur neben
seiner journalistischen Tätigkeit entstanden. Sie war
Bestandteil derselben. Denn einschließlich der als Roman
bezeichneten „Häuser von Ohlenhof“ hat Löns alle uns in Buchform
bekannten Sammlungen seiner Kurzprosa und seiner Gedichte
zunächst in Zeitungen und Zeitschriften - und hier vor allem in
der von ihm einige Jahre als Redakteur betreuten Zeitschrift
„Niedersachsen“ - veröffentlicht, bevor er sie zwischen zwei
Buchdeckel binden ließ.
Folglich ist in vielem, was er
geschrieben hat, der journalistische Hintergrund unverkennbar.
Abgesehen von Manchem, dem man den Zeitdruck anmerkt, unter dem
es flüchtig hingehauen wurde, bestechen vor allem seine
Naturbetrachtungen, Tierschilderungen und Umweltbeiträge durch
sein Bemühen um wissenschaftliche Exaktheit wie durch die
Präzision klarer, knapper Worte bei einer insgesamt bildhaften
und oft lautmalerischen Sprache.
Löns‘ sämtliche Romane spielen -
wie könnte es anders sein - in der Lüneburger Heide, die er mit
seinem Gesamtwerk zu einer literarischen Landschaft aufwertete.
Am bekanntesten und erfolgreichsten, aber auch am umstrittensten
ist sein während des 30jährigen Krieges spielender Roman „Der
Wehrwolf“, in dem sich Heidebauern plündernder Soldaten
erwehren. In diesem Roman verarbeitete Löns, der Bewusstseinslage
weiter Kreise des wilhelminischen Bürgertums entsprechend, jene
ideologischen Versatzstücke, die, später forciert und überhöht,
zu Deutschlands Verhängnis beitrugen: die Heroisierung von
Volks- und Bauerntum, Heimat und Rasse, Scholle und Vaterland,
Idylle und Gewalt. Denn der von großen deutschen Zeitungen bei
seinem Erscheinen viel gelobte „Wehrwolf“ passte auch den
Nationalsozialisten gut ins Konzept, die ihn im Zweiten
Weltkrieg schließlich zur Durchhaltelektüre hochstilisierten.
Der Roman „Dahinten in der
Heide“ hingegen trägt unverkennbar autobiographische Züge, in
denen sich Löns‘ Haltung zu Stadt und Land und sein Wunschtraum
von einem natürlichen Leben widerspiegeln“ (Dupke, S. 119). Der
Protagonist des Romans, Lüder Volkmann, ein
Naturwissenschaftler, wandelt sich zu einem erfolgreich
schreibenden Bauern. Was Löns über Volkmanns Bücher schreibt,
darf getrost als Selbstcharakteristik angesehen werden: „Seine
Sprache ist rein und klar wie die Luft in der Heide; da stäubt
kein überflüssiges Wort, da fliegt kein falscher Ausdruck. Sein
Satzbau ist von jener Natürlichkeit, die so schwer zu treffen
ist, und seine Bilder sind ungesucht und neu“ (Dahinten in der
Heide, S. 211).
Die Worte, die Löns Lüder
Volkmann zum Schluss des Romans in den Mund legt „Die Füße fest
auf der Heimaterde, aber die Gedanken darüber“ (ebd., S. 218) -
wem fiele dabei nicht Gorch Focks „Mit der Heimat im Herzen die
Welt umfassen“ ein - charakterisieren Löns‘ eigentliche Haltung
in der Heimatbewegung - auch wenn hier wie sonst in Löns‘ Werken
mancherlei Widersprüchliches zutage tritt.
Warum sollte gerade Löns frei
sein vom Dilemma der frühen Heimatbewegten? Sie entstammten
größtenteils dem konservativen städtischen Bildungsbürgertum,
träumten aber zugleich von der Verwurzelung in der Scholle, vom
Leben auf dem Lande, das es so zu erhalten gelte, als ackere der
Bauer noch wie zur Zeit des Biedermeier. Auf diese Weise wurde
das angeblich höherwertige, weil urwüchsigere Leben auf dem
Lande gegen das dekadente Treiben in der Stadt ausgespielt.
Diese Vorstellungen begegnen uns auch an vielen Stellen in Löns‘
Romanen und Kurzprosa, manchmal allerdings in etwas reichlich
platten Formulierungen.
Doch unerachtet der dem
Zeitgeist und den Vorlieben seiner Leser geschuldeten
literarischen Behandlung des Verhältnisses zwischen Stadt und
Land argumentierte Löns, wenn es um Fragen des Heimat- und
Naturschutzes konkret zur Sache ging, oft ganz anders. Denn es
waren seine Beobachtungen der freien Natur, der Landschaft und
der Tiere, die ihn zu Natur- und Heimatschutz hatten finden
lassen. Auch war er im Grunde weit entfernt von den in der
Heimatbewegung verbreiteten, stark romantisch gefärbten
Heimatschutzvorstellungen.
Er war realistischer, als er
1911 in seinem von schonungsloser Offenheit, von Zynismus und
bissigem Spott gekennzeichneten Vortrag „Der Naturschutz oder
die Naturschutzphrase“ den Naturschutz in Position und auf
gleiche Augenhöhe mit dessen Verächtern brachte. Dabei war Löns
weit entfernt davon, den wirtschaftlichen und technischen
Fortschritt generell zu verdammen. Doch die Missachtung des
Naturhaushaltes bedrohte in seinen Augen nicht nur die
Landschaft, sondern den Menschen selbst. Löns sah „die innersten
Zusammenhänge zwischen Landschaft, Tier und Mensch ökologisch,
d.h. im Hinblick auf ihre unlösbare Gemeinschaft“ (Anger, S.
131).
Löns war im Niedersächsischen
einer der frühesten, überzeugendsten und engagiertesten
Vorkämpfer des Umwelt-, Natur- und Heimatschutzes. Und er war
zugleich auch der früheste und erfolgreichste Propagandist der
Lüneburger Heide, deren Tourismus-Marketing bis heute von seinem
Werk und seinem Namen profitiert. Sein Lied „Auf der Lüneburger
Heide“ wurde zum deutschen Allgemeingut. Zahlreiche seiner
Gedichte, die wie der größte Teil seines Werkes ebenfalls aus
Erlebnis- und Wunschwelt der Heide entstanden, haben
Volksliedcharakter und wurden vertont, darunter das flotte
Marschlied „Wo der Wind weht, der Wind weht, da bin ich zu
Haus“, und das romantische Bekenntnis „Alle Birken grünen in
Moor und Heid“, die wohl zu den schönsten Lönsliedern zählen.
Dass ein Viel- und
Schnellschreiber wie Hermann Löns nicht nur Meisterwerke
hinterlassen hat, verwundert nicht. Aber eine große Anzahl
seiner Gedichte, seine unvergleichlichen, auf einer subtilen
Beobachtungsgabe fußenden Natur-, Landschafts- und
Tierschilderungen wie sein nachhaltiger Einsatz für die Umwelt
im weitesten Sinn wollen es gerechtfertigt erscheinen lassen,
ihm, der literaturgeschichtlich bei der Heimatkunst anzusiedeln
ist, ein Denkmal zu setzen, das nur den Zweck haben kann, den
Betrachter aufzufordern: Denk mal über den Dargestellten nach.
Lies etwas von seinen Werken und bilde dir erst dann dein
eigenes Urteil über Hermann Löns und über das Kunstwerk, das ihn
darstellt als Naturbeobachter und Jäger.
Quellen und Literatur (Auswahl):
Hermann Löns,
a) Dahinten in der Haide. Hannover 1910, b) Werke.
Gesamtausgabe, hrsg. von Wilhelm Deimann, 5 Bände, Hamburg 1960
Martin Anger,
Hermann Löns. Schicksal und Werk aus heutiger Sicht. Kürten
1978
Thomas Dupke,
H. Löns. Mythos und Wirklichkeit. Hildesheim 1994
Dietmar Storch,
Im 75. Todesjahr „...träumen vom Zauber der Erika“. Notizen zu
Hermann Löns. In: Niedersachsen, Zeitschrift für Heimat und
Kultur 1989, S. 243-247
Eröffnung der Ausstellung zum 140. Geburtstag von Hermann Löns
Die diesjährige Löns-Woche in
Walsrode stand im Zeichen des 140. Geburtstages von Hermann Löns
am 29.8.2006. Zum Auftakt hat der „Verband der
Hermann-Löns-Kreise in Deutschland und Österreich e.V.“
am Dienstag, dem 15.8.2006, um 18 Uhr im
Heidemuseum Walsrode eine Ausstellung eröffnet. Mit dieser
Ausstellung wurde der Öffentlichkeit erstmals ein Werkstattfoto
des zukünftigen Löns-Denkmals vorgestellt und die ersten
Exemplare der Briefmarke gezeigt, die am 29.8. zum Geburtstag
von Löns von der Österreichischen Post und dem
Löns-Verband herausgegeben wurden.
Ferner waren Bilder von dem
Künstler Gert-Peter Reichert und von der Malschule Bittner,
Walsrode, zum Thema Löns zu sehen. Die Ausstellung schloss mit
dem Ende der diesjährigen Löns-Woche am
3. September 2006.
In seiner Ausstellungseröffnung
und Begrüßung der zahlreichen Gäste gab Vorstandsmitglied Dr.
Fritz Fricke einen Überblick. Er führte aus, dass anlässlich des
140. Geburtstages diese Ausstellung sowie die diesjährige
Löns-Woche eine Würdigung des Lebenswerkes des Dichters,
Denkers, Jägers und Hegers, des Schriftstellers, Journalisten
und Umweltschützers Hermann Löns sein sollten.
Die ersten Entwürfe der
renommierten, in Walsrode geborenen Künstlerin und Bildhauerin
Marlies Leonardy-Rex zur Schaffung einer Skulptur von Hermann
Löns lagen schon über 13 Jahre zurück. Im Jahre 2002 beschloss
der Löns-Verband die Projektierung eines Löns-Denkmals und
stellte dieses Vorhaben - nicht ganz ohne Widerspruch - der
Öffentlichkeit vor.
Nachdem ausreichende
Spendenbeträge und Zusagen für Eigenleistungen geworben werden
konnten, begann Marlies Leonardy-Rex im März 2005 mit der
Anfertigung der Statue. Die Ausstellung zeigte die
Realisierungsstufen bis zur Fertigstellung sowie andere Werke
der Künstlerin anhand von Fotos und beschreibenden Texten. Seit wenigen Wochen war das in
Bronze gegossene lebensgroße Abbild von Hermann Löns fertig
gestellt. Es ist durch eine sehr detailgetreue Arbeit der
Künstlerin gekennzeichnet, wie auch die ausgestellten
Modellierungen des Kopfes und der Hände für die Statue zeigten.
Nun wartete die Statue auf den Tag der öffentlichen Enthüllung
am
2. September 2006, in der Hermann-Löns-Straße in Walsrode. Damit
wurde das 140. Löns-Denkmal eingeweiht, wie eine Tafel über
bekannt gewordene Denkmäler zur Würdigung von Hermann Löns
zeigte. Davon stehen 113 Denkmäler in Deutschland, 8 in
Österreich und 19 in anderen Ländern.
Die Ausstellung präsentierte
ferner die Entwürfe und Exemplare der individuellen
Sonderbriefmarke „Hermann Löns“ zum Nominalwert von 0,55 €, die
die Österreichische Post AG und der Löns-Verband aus Anlass des
140. Geburtstages von Hermann Löns am 29.8.2006 herausgegeben
haben. Die Briefmarke zeigt einen Ausschnitt der lebensgroßen
Bronze-Statue von Hermann Löns. Im nächsten Heft wird zu diesem
Thema weiter berichtet werden.
Zu sehen waren ebenfalls
Ersttagsbriefe und Ersttagsblätter, die der Löns-Verband zum
Ausgabetag der Sonderbriefmarke herausbrachte und am 29.8.2006
vom Postamt in Wien gestempelt wurden. Die Mitglieder des
Löns-Verbandes erhielten einen in Wien abgesandten Ersttagsbrief
kostenfrei zugestellt. Diese Aktion war ein voller Erfolg, wie
die Briefreaktionen zeigten.
Diese Sonderbriefmarken,
Ersttagsbriefe und Ersttagsblätter können nur beim Löns-Verband
erworben werden. Dazu lag ein Bestellblatt während der
Ausstellung aus. Auch jetzt sind noch Bestellblätter bei der
Geschäftsstelle erhältlich.
Auf der Ausstellung war ferner
der 1955 geborene und 2001 verstorbene Künstler Gert-Peter
Reichert, ein Schüler von Eberhard Schlotter, mit
6 Radierungen zu Hermann Löns vertreten. Sie stellten die
Einsamkeit, den Seelenzustand, die Beziehungen zu Frauen und die
Vergänglichkeit sowie das Bleibende von Löns dar.
Sibylle Lietz/Fritz Fricke
Löns-Woche 2006 - Aus der
Jahreshauptversammlung
Jahresbericht der 1. Vorsitzenden Monika Seidel
1. Vors. Seidel begrüßte die Anwesenden
und insbesondere 2. Vors. Harald Cajka (gleichzeitig
Vorsitzender des Österreichischen Hermann-Löns-Kreises), der aus
Österreich angereist war.
Sie berichtete über die umfangreichen
Aktivitäten seit der letzten Jahreshauptversammlung. So hat sie
neben den Vorstandssitzungen an über 40 Veranstaltungsterminen
teilgenommen und gab dazu nähere Erläuterungen.
Die Zahl der Einzelmitglieder beträgt
279. Unter Einbeziehung der Einzelmitglieder, der korporativen
Mitglieder (z. B. Löns-Kreise, Jagdvereinigungen,
Heimatvereine) hat der Löns-Verband eine viel höhere
Mitgliederzahl und ist damit eine der großen literarischen
Gesellschaften Deutschlands. Sie gab bekannt, dass die
Redaktionsmitglieder der „Hermann-Löns-Blätter“ (G. Zahmel, H.
und W. Doose) nur noch bis zur Ablieferung des Heftes 2/2007 zur
Verfügung ständen. Wenn jemand die ehrenamtliche Arbeit
weiterführen wolle, bittet sie, sich bei ihr zu melden.
2. Vors. Beckmann berichtete über seine
Schwerpunkte „Löns-Literatur“ und „Löns als Wissenschaftler“. Er
hat im letzten Jahr mehrere Löns-Bücher herausgegeben und würde
nach der Jahreshauptversammlung sein neuestes Buch mit dem Titel
„Wasserjungfern / Der Insektenforscher Hermann Löns“ vorstellen
(Anmerkung: siehe Rezension S. 22).
1. Vors. Seidel dankte insbesondere den
Herren Beckmann und
Dr. Fricke, allen weiteren Vorstandsmitgliedern und der
Redaktion für die geleistete Arbeit.
Unter dem Punkt „Verschiedenes“ wurde
gefragt nach
a)
der Finanzierung der Löns-Statue,
b)
der Aufstellung eines weiteren Denkmals in Zusammenarbeit
mit dem Verein Naturschutzpark und
c)
dem Stand der kritischen Werkausgabe.
Antworten:
zu a) 1.
Vors. Seidel: Finanzierung gesichert durch teilweisen
Honorarverzicht der Künstlerin, gezahlter Preis 42.000 €
zu b) 1.
Vors. Seidel: Geld für ein weiteres Denkmal ist nicht vorhanden
zu c) 2.
Vors. Beckmann: Durch Nichteinrichtung eines Lehrstuhles an
der Universität Lüneburg ist die Herausgabe einer
kritischen Werkausgabe auf „Eis gelegt“
Gerhard Zahmel
Löns-Woche 2006 - Aus der
Jahreshauptversammlung
Geschäftsbericht des Geschäftsführers Sebastian Zinke
und Entlastung des Vorstandes für das Geschäftsjahr 2005
Das Geschäftsjahr ist auf das
Kalenderjahr umgestellt worden. Geschäftsführer Sebastian Zinke
gab seinen Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2005 (1.01.
bis 31.12.) bekannt. Danach ist ein Guthaben in Höhe von
insgesamt 38.697,29 € auf den Konten des Löns-Verbandes nach dem
Stande vom 31.12.2005 vorhanden.
Der Vorstand wurde bei 7
Stimmenthaltungen entlastet.
Bericht der Kassenprüfer Wolfgang Doose und Klaus Zimmermann
Kassenprüfer Doose berichtete, dass er und
Kassenprüfer Zimmermann die Bücher und Konten des Löns-Verbandes
bei der Kassenführerin Stadie am 16.08.2006 geprüft haben. Alle
Unterlagen seien außerordentlich gut geführt worden. Es wurden
keine Beanstandungen festgestellt. Hinsichtlich des
Geschäftsergebnisses verwies er auf den Bericht des
Geschäftsführers. Da die Kontobewegungen enorm zugenommen
haben, bat er den Vorstand, über eine Erhöhung der Entschädigung
für die Kassenführerin zu befinden.
Geza
Österreichischer
Hermann-Löns-Kreis
Pulkauer Löns-Feier
Am Samstag, 26. August 2006, trafen
sich die Österreichischen Lönsfreunde in Pulkau am Heidberg beim
„Lönsstein“ wieder zur jährlichen Feierstunde für Hermann Löns. Dem Pulkauer
Verschönerungsverein ist zu danken: auf dem Weg zum „Lönsstein“
waren in Abständen wieder Texte von und über Löns an Baumstämmen
angebracht worden. Diese Idee von Frau Schuch aus Pulkau
begeistert Jahr für Jahr die Wanderer, denn nicht jeder weiß,
wer Hermann Löns war. Nach dem Auftakt durch die
Jagdhornbläsergruppe Pulkau begrüßte ich die Anwesenden, und der
Pulkauer Chor eröffnete die Feier mit dem ersten Lied.
Beide Söhne des Ehepaars
Hofbauer legten dann ein Kranzerl auf den „Lönsstein“. Danke für
diesen jährlichen Gruß aus Retz! In einer kurzen Betrachtung
legte ich dann dar, wie man antworten könnte, wenn man gefragt
würde, wer denn dieser Löns eigentlich war.
Nach Lesungen und Rezitationen,
gemeinsam gesungenen Liedern und den Beiträgen des Pulkauer
Chors endete dann diese Löns-Feier bei prächtigem Wetter. Auf
Wiedersehen nächstes Jahr!
Harald Cajka
Buchrezension
The Warwolf (Der Wehrwolf von Hermann Löns) in den USA auf
Englisch erschienen
In neuer Übersetzung wurde Der Wehrwolf
jetzt unter dem Titel The Warwolf in den USA
herausgegeben. Eine erste Rezension von Georg MacDonald Fraser
liegt vor, veröffentlicht am 17.6.2006 in der Zeitung The
Wall Street Journal. Die deutsche Übersetzung von Jürgen
Köhnsen kann bei der Geschäftsstelle des Löns-Verbandes
kostenlos angefordert werden. Tenor ist, dass nicht Löns der
"brutale" Dichter ist, sondern der 30jährige Krieg die Menschen
verroht hat.
Da eine angelsächsische Sichtweise zum
Wehrwolf ein wichtiger Aspekt in der Rezeption des Werkes
ist, versucht die Redaktion, die Genehmigung für einen
kostenlosen Nachdruck der englischen Rezension in den
Hermann-Löns-Blättern zu erreichen.
Mitglied Dr. Widar Lehnemann als
Spezialist für Fragen zum Wehrwolf wird weitere
Ausführungen im nächsten Heft veröffentlichen.
Gerhard Zahmel
The Warwolf auf Englisch von Hermann
Löns in der Übersetzung von Robert Kvinnesland, 198 Seiten,
Verlag Westholme, USA 2006, Preis 24,95 US-Dollar
Buchrezension
Hermann Löns: „Wasserjungfern und andere Insektengeschichten“
/
Karl-Heinz Beckmann: „Der Insektenforscher Hermann Löns“
Seit der
Herausgabe des Kriegstagebuches im Jahre 1986 vollzieht sich
eine Neubewertung des literarischen Werkes von Hermann Löns.
Dazu hat auch der Löns-Verband einen wesentlichen Anteil durch
seine Arbeit beigetragen. Einige Biographen haben Löns zu sehr
aus ihrer Zeit und persönlicher Ansicht beurteilt und damit
nicht immer die richtigen Schlussfolgerungen gezogen.
Für den
wissenschaftlichen Bereich kann die Neubewertung an dem Jahr
1988 festgemacht werden, denn damals ist das Buch „Hermann Löns
- Ein bedeutender westfälischer Malakologe“ erschienen. Das
jetzt herausgegebene Buch mit dem Titel „Hermann Löns -
Wasserjungfern und andere Insektengeschichten / Karl-Heinz
Beckmann - Der Insektenforscher Hermann Löns“ fügt sich in diese
wissenschaftliche Reihe ein. Löns wird speziell als
Insektenforscher gewürdigt. Diese Aufwertung von Löns als
Wissenschaftler ist insbesondere Karl-Heinz Beckmann zu
verdanken. Das Nachwort hat Dr. Widar Lehnemann verfasst.
Im dem Teil des
Buches mit dem Titel „Hermann Löns: Wasserjungfern und andere
Insektengeschichten“, ist Löns mit 13 Geschichten wie, z. B. „Am
Strande“ oder „Im Röhricht“ vertreten. Je 1 Seite der
Originalhandschrift von Hermann Löns ist auch abgedruckt. Die
Werke sind erstmalig 1919 unter dem Titel „Wasserjungfern“
erschienen und seit 1953 nicht mehr verlegt worden. Die 4
weiteren Insektengeschichten ergänzen die Thematik. Sie haben
die Titel „Der Maikäfer“, „Libellen“, „Libellenlarven“ und
„Unverfrorenes Volk“.
Zum Bereich „Der
Insektenforscher Hermann Löns“ schreibt Dr. Widar Lehnemann in
seinem Nachwort folgendes:
„Was Löns in
‚Wasserjungfern‘ in Form von ‚Geschichten‘ mitteilt, basiert auf
dem soliden Fundament eines Studiums der Zoologie, in dessen
Rahmen die Kunde von den Insekten gebührenden Raum einnahm. Löns
war als Schüler, Student und Wissenschaftler keine rein
rezeptive Natur. Schon frühzeitig stellte er seine
Beobachtungsgabe in den Dienst der Wissenschaft und ihrer
Institutionen. Im Laufe seines Forscherlebens hat er an sehr
verschiedenen Stellen - also weit zerstreut - zahlreiche
Arbeiten auch über ‚niedere‘ Tiere veröffentlicht. Sie sind noch
vorhanden, führen aber in Bibliotheken und Institutionen ein
mehr oder weniger verborgenes Dasein. Karl-Heinz Beckmann hat
das Material in jahrelanger Forschungsarbeit aufgespürt,
zusammengetragen und sich geistig zu eigen gemacht. Der Ertrag
seiner Arbeit liegt nun unter dem Titel ‚Der Insektenforscher
Hermann Löns‘ vor. Damit macht er jenen Teil des Löns’schen
Werkes, der vielen nur vom Hörensagen bekannt ist, verfügbar:
den des Zoologen vom Fach.
Dieser Teil des
Buches besteht aus drei Teilen:
I.
- Zur Entstehung von Hermann Löns‘ ‚Wasserjungfern‘
II.
- Die wissenschaftlichen insektenkundlichen
Veröffentlichungen von Hermann
Löns
III.- Anmerkungen zu den wissenschaftlichen Arbeiten von Hermann Löns
Zu den besonderen
Vorzügen der Publikation, die aus souveräner Beherrschung ihrer
Thematik und genauer Kenntnis des Materials erwachsen ist,
gehören die Illustrationen, Wiedergaben von verarbeiteten
Originaldokumenten. Es macht einen großen Unterschied, ob man
einen Buchtitel nur als Zitat zur Kenntnis nimmt oder ob man die
abgebildete Titelseite vor Augen hat! Hier sei hingewiesen auf
die Wiedergabe der Titelseiten von Buchausgaben des Bandes
‚Wasserjungfern‘, seltener Privatfotos sowie den Briefwechsel
zwischen Löns und dem Verleger Hermann Meerwarth, der Einblick
in die Entstehung des Buches gibt und die Editionsgeschichte
erhellt. Ein Blick auch für das, was vielen als
‚selbstverständlich‘ gilt und gerade deshalb leicht übersehen
wird, spricht aus dem Kapitel ‚Die von Hermann Löns in
‚Wasserjungfern‘ benannten Libellenarten‘.
Der zweite Teil
des Buches beinhaltet Quellen, Primärtexte des Insektenforschers
Löns. Er bringt schwer zugängliche Arbeiten aus den Jahren 1889,
1890 und 1909 im Faksimile. Dieses Kapitel ersetzt den Gang zu
einer der wenigen wissenschaftlichen Institutionen, die noch
über diese Dokumente verfügen. Die beiden Weltkriege haben in
Ost und West bekanntlich so manche Bibliothek in Schutt und
Asche gelegt und wertvolle Kulturgüter vernichtet.
Im dritten Teil
legt Karl-Heinz Beckmann die Ergebnisse seiner jahrelangen
Beschäftigung mit den insektenkundlichen Schriften von Hermann
Löns vor. Seine Ausführungen werden auch hier durch Fotos,
Faksimiles und abgedruckte Briefe aufgelockert und ergänzt. Von
besonderem Wert ist das Kapitel ‚Aufstellung der Gattung
Loensia‘, denn es führt den Leser an die Quelle heran.
Instruktiv ist nicht zuletzt auch die Auflistung der ‚in den
Schriften von Hermann Löns angeführten Psocoptera‘.
Als Karl-Heinz
Beckmann sich den Schriften des Fachzoologen Hermann Löns
zuwandte, wurde ihm wohl bald bewusst, dass er es mit einer
Forschungslücke zu tun hatte. Mit der Erarbeitung des nun
vorliegenden Bandes ist es ihm gelungen, sie zu schließen. Zu
den Voraussetzungen dafür gehörte der mühevolle und auch
kostspielige Aufbau eines wissenschaftlichen Forschungsarchivs.
Er hat darüber in einer eigenen Publikation berichtet: ‚Hermann
Löns - Sein Werk‘ (Ascheberg-Herbern 1996).
Mit dem
vorliegenden Buch ‚Der Insektenforscher Hermann Löns‘ hat
Karl-Heinz Beckmann zu seinem 1988 erschienenen Band ‚Hermann
Löns - Ein bedeutender westfälischer Malakologe‘ die notwendige
Ergänzung folgen lassen. Er hat sich damit für die Erforschung
von Leben und Werk des Zoologen Löns bleibende Verdienste
erworben.“
Dem ist nichts
mehr hinzuzufügen. Dieses Werk darf in keiner Löns-Sammlung
fehlen.
Gerhard Zahmel
„Hermann Löns:
Wasserjungfern und andere Insektengeschichten /
Karl-Heinz Beckmann: Der Insektenforscher Hermann Löns“,
Schriftenreihe Loensia, als Band 7 erschienen, viele Fotos und
Faksimiles, 235 Seiten, in Efalin gebunden, LOENSIA-Verlag,
2006, Bezug: K. H. Beckmann, An der Vogelrute 46 - 50, 59387
Ascheberg-Herbern,
Tel. 02599/1886, Fax 02599/7300,
e-mail:
k.h.beckmann@euroroll.de; Preis 17,50 € incl. Versandkosten,
ISBN 3-9809324-1-9
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